Was versteht man unter Sportdiplomatie?

Die Sportdiplomatie macht den Sport zu einem zentralen Instrument der Zusammenarbeit zwischen Frankreich und seinen Partnerländern. Zugleich trägt sie dazu bei, die Strahlkraft und Attraktivität Frankreichs durch die Ausrichtung großer internationaler Sportveranstaltungen.

Veröffentlicht am : 06 December 2023 Aktualisiert am : 16 July 2026

Die Sportdiplomatie zielt in erster Linie darauf ab, den französischen Akteuren dabei zu helfen, ihre Tätigkeiten im Ausland auszubauen. Anschließend soll sie den Sport zu einem zentralen Instrument in der Zusammenarbeit zwischen Frankreich und seinen Partnerländern machen und den Erfolg der in Frankreich veranstalteten sportlichen Großveranstaltungen in den Dienst der Strahlkraft und des Einflusses Frankreichs in der Welt stellen.

Weltweite Förderung des französischen Sport-Know-how

Gemeinsam mit dem Ministerium für Sport, Jugend und Vereinswesen, Business France, Bpifrance, GIE France Sport Expertise und sämtlichen Wirtschaftsakteuren unterstützt das Ministerium für Europa und auswärtige Angelegenheiten die Internationalisierung der französischen Unternehmen der „Filière sport“, einer Plattform zur Förderung des Dialogs zwischen Staat und Akteuren der Sportwirtschaft. Dabei wird insbesondere das Know-how der Unternehmen hervorgehoben, die aktiv zum Erfolg der Olympischen und Paralympischen Spiele Paris 2024 beigetragen haben. Zusammen hilft dieses „Team Frankreich“ den französischen Unternehmen dabei, insbesondere in Austragungsländern großer Events neue Märkte zu erschließen. Zudem unterstützt das Ministerium für Europa und auswärtige Angelegenheiten das internationale Handeln der französischen Sportförder- und Trainingseinrichtung INSEP sowie der Sportverbände und bringt ihr Know-how gegenüber ausländischen Partnern zur Geltung.

Das diplomatische Netzwerk trägt ebenfalls dazu bei, die französischen Standpunkte in wichtigen Sportfragen zu verteidigen, darunter Fragen der Bereiche Governance, Ethik, Kampf gegen Doping und Spielmanipulation sowie Bekämpfung von Diskriminierung im Sport. Hierzu wird Frankreich sowohl innerhalb internationaler Sportverbände als auch innerhalb internationaler Gremien (UNO, UNESCO, EU, OECD und Europarat) aktiv.

Außerdem setzt sich das Ministerium für die Nutzung und Förderung der französischen Sprache bei Sportveranstaltungen ein, insbesondere bei den Olympischen und Paralympischen Spielen. So unterstützte es beispielsweise die Unterzeichnung eines Übereinkommens zwischen der Internationalen Organisation der Frankophonie und dem Organisationskomitee der Olympischen und Paralympischen Spiele von Paris 2024. Darüber hinaus wird Frankreich an den Spielen der Frankophonie 2027 in Eriwan, Armenien teilnehmen.

Diese Maßnahmen schaffen einen wirtschaftlichen Nutzen für die französischen Unternehmen und stärken Frankreichs Einfluss in der Welt.

Download des Abkommens zwischen der OIF und dem COJOP Paris 2024 (auf Französisch) PDF - 207.0 KB

Sport im Mittelpunkt der Partnerschaften Frankreichs

Sport ist in den bilateralen Beziehungen Frankreichs zu einem wichtigen Kooperationsinstrument geworden. Die Ausrichtung großer internationaler Sportveranstaltungen in Frankreich steigert das Interesse der Partner Frankreichs daran, Partnerschaften in diesem Bereich zu vertiefen, insbesondere wenn es darum geht, die Stärkung der Sport-Ökosysteme auf dem afrikanischen Kontinent zu begleiten und zu fördern. Das diplomatische Netzwerk unterstützt die französische Sportbewegung aktiv beim internationalen Austausch. Diese Maßnahmen fördern Frankreichs diplomatischen Beziehungen mit den Behörden der Partnerländer im Alltag, aber auch die freundschaftlichen Bande mit der Zivilgesellschaft und stärken den französischen Einfluss in der Welt.

Das Ministerium für Europa und auswärtige Angelegenheiten hat seine Kooperationsinstrumente schrittweise in den Dienst der Sportdiplomatie gestellt, darunter beispielsweise den Fonds Équipe France (FEF) seit 2019 sowie den Fonds Équipe France „Rapide“ (FEF-R) seit 2023. Diese Fonds ermöglichen es den französischen Botschaften, Vorhaben im Sportbereich zu unterstützen und Kooperationen zu verschiedenen Zwecken zu fördern:

  • Erleichterung des Zugangs zu Sportinfrastrukturen- und -einrichtungen
  • Förderung von politischen Maßnahmen in den Bereichen Inklusion, Kampf gegen Diskriminierungen und Resozialisierung durch Sport
  • Stärkung der Entscheidungsstrukturen im Sport
  • Förderung von Leistungssport

So unterstützte das Ministerium für Europa und auswärtige Angelegenheiten seit 2019 mehr als 100 Projekte zivilgesellschaftlicher Akteure (Sportverbände, örtliche Vereine sowie Universitäten, Akteure der Bereiche Presse und journalistische Ausbildung, Unternehmen usw.), bei denen Sport als Hebel für weltweite Entwicklung genutzt wird. Ein weiterer Bereich ist die Förderung der dezentralisierten Zusammenarbeit im Sportbereich, die von den französischen Gebietskörperschaften umgesetzt wird. Hierzu wurde im Jahr 2021 die Projektausschreibung „Sport et coopération décentralisée“ (dt.: Sport und dezentralisierte Zusammenarbeit) ins Leben gerufen. Dank dieser konnten mithilfe der französischen Botschaften bereits 49 gemeinsame Vorhaben französischer und ausländischer Gebietskörperschaften im Bereich Sport unterstützt werden.

Die Agence Française de Développement (AFD) wurde als Mittlerorganisation des Ministeriums für Europa und auswärtige Angelegenheiten 2018 von der französischen Regierung beauftragt, den Sport ebenfalls als Instrument zur Umsetzung der Ziele für nachhaltige Entwicklung zu nutzen. Seither konnten knapp 200 Projekte in 45 Ländern durchgeführt werden, dank denen 10 Millionen junge Frauen und Männer Zugang zu sportlichen Aktivitäten erhielten, in die Gesellschaft eingegliedert wurden, einen Beruf erlernten oder an der Bekämpfung von Ungleichheiten und Diskriminierung mitwirkten. In diesem Rahmen wurden Projekte finanziert, die beispielsweise darauf abzielen, Zentren für junge Menschen einzurichten, die Sport und Bildung miteinander verbinden (in Senegal, Liberia, Marokko, Kamerun, Mali und Südafrika) oder den sozialen Zusammenhalt auf dem afrikanischen Kontinent zu stärken. Letzteres geschah insbesondere durch die Plattform „Sport en Commun“, die u. a. französische und afrikanische Spitzensportlerinnen und Spitzensportler bei der Gründung von Verbänden unterstützt, in denen Sport als Instrument für Entwicklung genutzt wird.

Diese Projekte fügen sich in den breitergefassten Rahmen der französischen Politik in den Bereichen Entwicklung und internationale Partnerschaften ein und füllen die Kooperationen Tag für Tag mit Leben.

Download der Broschüre der AFD„Sport et développement“ (auf Französisch) PDF - 544.5 KB

Sportliche Großveranstaltungen im Dienste der Strahlkraft und des Einflusses Frankreichs in der Welt

Neben regelmäßigen Veranstaltungen wie dem Tennisturnier Roland-Garros, der Tour de France oder dem Vendée Globe richtete Frankreich in den vergangenen Jahren mehrere internationale Wettkämpfe aus. Einige Beispiele dafür sind die Fußball-EM 2016, die Handball-WM 2017, der Ryder Cup im Golf 2018, die Frauen-Fußball-WM 2019, die Bahnradsport-WM 2021, der alpine Ski-Weltcup im Februar 2023, die Para-Leichtathletik-WM im Juli 2023, der Rugby World Cup im Oktober 2023 und die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele in Paris 2024.

Diese Dynamik wird sich in den kommenden Jahren fortsetzen: Bis 2030 wird Frankreich rund vierzig große, internationale Sportveranstaltungen ausrichten, darunter die Schwimm-EM (31. Juli bis 16. August 2026), mehrere Weltmeisterschaften, wie beispielsweise in den Disziplinen Radsport und Kanu/Kajak (2027), und die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2030 in den französischen Alpen.

Diese Veranstaltungen sind einzigartige Gelegenheiten für Frankreich, gegenüber ausländischen Behörden, internationalen Entscheidungsträgern der Sportwelt sowie der Öffentlichkeit für seine Regionen, sein Know-how, seine Vision und seine Kreativität zu werben.

In diesem Zusammenhang setzt sich das Ministerium für Europa und auswärtige Angelegenheiten stark für die Vorbereitung und Organisation dieser sportlichen Großveranstaltungen ein, sei es im konsularischen oder protokollarischen Bereich, in der Kommunikation oder bei der Krisenvorbereitung, wie es bei den Olympischen und Paralympischen Spielen Paris 2024 der Fall war. Es nutzt diese Gelegenheiten außerdem, um die Strahlkraft und den Einfluss Frankreichs zu stärken.