Weltraum-Governance: Frankreich in den multilateralen Verhandlungen

Der Weltraum ist der einzige bis dato unregulierte gemeinsame Raum. Die Entwicklung seines wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Potenzials zum Wohle aller setzt die Einführung einer bestimmten Anzahl von gemeinsamen Sicherheitsregeln sowie Maßnahmen voraus, die von den Staaten zugunsten der Unternehmen und wissenschaftlichen Institutionen ergriffen werden können.

Veröffentlicht am : 24 August 2026

Jonathan Sarago/MEAE

Frankreich beteiligt sind aktiv an sämtlichen multilateralen Gremien, die sich mit den verschiedenen Weltraumthemen befassen. Das Ministerium für Europa und auswärtige Angelegenheiten spielt eine zentrale Rolle in den internationalen Verhandlungen zur Regulierung der Weltraumaktivitäten auf Ebene der Europäischen Union, der ESA und der Vereinten Nationen.

Im Rahmen der UNO unterstützt Frankreich die Bemühungen hinsichtlich der Strukturierung eines multilateralen Rahmens für die Verwaltung und Koordinierung der Weltraumaktivitäten.

Die Vereinten Nationen und die Weltraumsicherheit

Drei Strukturen der Vereinten Nationen befassen sich mit Weltraumfragen: der Ausschuss für die friedliche Nutzung des Weltraums (COPUOS) in Wien, die Abrüstungskonferenz in Zusammenarbeit mit den einschlägigen Arbeitsgruppen der Generalversammlung der Vereinten Nationen sowie die internationale Fernmeldeunion in Genf.

Der Ausschuss für die friedliche Nutzung des Weltraums

Bereits seit den 1960-er Jahren wurden innerhalb des Ausschusses für die friedliche Nutzung des Weltraums (COPUOS) die wesentlichen Grundlagen des internationalen Weltraumrechts ausgearbeitet, darunter insbesondere die fünf Verträge zur Regelung der Weltraumaktivitäten (auf Englisch) sowie die von der Generalversammlung verabschiedeten Grundsätze und weitere Resolutionen bezüglich der Anwendung dieses Rechts. Der COPUOS sowie seine beiden Unterausschüsse (wissenschaftlich-technischer Unterausschuss und Rechtsunterausschuss) befassen sich mit Themen wie Weltraumverkehrsmanagement, Weltraummüll, Nutzung von Nuklearstromquellen im All sowie Mondmissionen. Das Ministerium für Europa und auswärtige Angelegenheiten stellt den Einklang zwischen den französischen und europäischen Standpunkten innerhalb der multilateralen Gremien sicher, insbesondere was die Vereinbarkeit der programmbezogenen Aspekte der europäischen Missionen (EU, ESA) mit dem internationalen Weltraumrecht sowie die Regelungen für sicherere und tragfähigere Weltraumaktivitäten entsprechend der großen Leitlinien der französischen Weltraumstrategie von November 2025 betrifft.

Im Juni 2019 erarbeitete der COPUOS eine erste Reihe von 21 Richtlinien für die langfristige Tragfähigkeiten von Weltraumaktivitäten. Diese Verabschiedung knüpft an die von Frankreich angestoßene Aufnahme der Frage nach der langfristigen Tragfähigkeit in die Tagesordnung des wissenschaftlich-technischen Unterausschusses von 2010 an. Die Richtlinien gehen auf die aktuellen Herausforderungen ein, die sich aus der zunehmenden Belastung der Erdumlaufbahnen ergeben.

Die Mitgliedstaaten des COPUOS beschlossen 2025 bei der 68. Sitzung des Hauptausschusses die Einrichtung einer Arbeitsgruppe, die sich mit Weltraumlageerfassung (Space Situational Awareness) beschäftigt. Das vorrangige Ziel dieser Gruppe, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten geleitet wird, besteht darin, ein Verzeichnis der Ansprechpartner der Satellitenbetreiber zu erstellen, um im Falle einer möglichen Kollision im Orbit, deren Folgen schwerwiegend wären, eine rasche Koordinierung zu gewährleisten.

Die Arbeitsgruppe ATLAC (Action Team on Lunar Activities Consultation), die 2024 im Zuge der 67. Sitzung der des COPUOS ins Leben gerufen wurde, befasst sich vor dem Hintergrund einer Beschleunigung der Mondprogramme mit der Festlegung internationaler Grundsätze und Mechanismen im Zusammenhang mit Mondaktivitäten. Frankreich unterstützt darüber hinaus aktiv die Arbeit der Group of Friends of the Dark and Quiet Sky for Science and Society, die Leitlinien für Betreiber erarbeitet, um durch Satelliten verursachte Störungen astronomischer Beobachtungen zu verringern.

Die Abrüstungskonferenz

Das Ministerium für Europa und auswärtige Angelegenheiten beteiligt sich in Absprache mit dem Ministerium der Streitkräfte aktiv an den französischen Überlegungen zu den Themen, die Teil der UNO-Agenda zur Verhinderung eines Wettrüstens im Weltraum (Prevention of an arms race in outer space, PAROS) sind. Frankreich setzt sich dafür ein, den bestehenden internationalen Rechtsrahmen zu bewahren und zu verstärken, angefangen beim Weltraumvertrag von 1967, und achtet gleichzeitig darauf, dass angesichts des sich verschlechternden strategischen Umfelds unser autonomer Zugang zum Weltraum gewährleistet bleibt und wir dort operieren und frei handeln können. Frankreich macht sich für eine verantwortungsvolle Nutzung des Weltraums, die Einführung von vertrauensbildenden und transparenzfördernden Maßnahmen bei der Durchführung von Weltraumaktivitäten sowie die Verabschiedung von Normen für verantwortungsvolles Verhalten zur Verbesserung der Sicherheit und Stabilität im Weltraum stark.

Die Weltfunkkonferenz

Das Ministerium beteiligt sich zudem aktiv an den interministeriellen Beratungen zur Festlegung der französischen Standpunkte gegenüber der Internationalen Fernmeldeunion (ITU), in der Weltraumfragen eine zentrale Rolle spielen.

Die Weltfunkkonferenz (WRC) der ITU, die alle drei bis vier Jahre tagt, entscheidet über die weltweite Aufteilung und Nutzung von Funkfrequenzen und Satellitenbahnen.

Die kommende WRC findet im Herbst 2027 in Shanghai statt.

Die Entwicklung der Weltraumtechnologien, insbesondere der Trägerraketen (Trend hin zu wiederverwendbaren Raumfahrtsystemen und Nutzung niedriger Umlaufbahnen) sowie die zunehmende Abhängigkeit der menschlichen Aktivitäten von Konnektivitätskapazitäten haben zu einem massiven Anstieg der Anzahl der Satelliten in der Umlaufbahn geführt. Die Überlastung der erdnahen Umlaufbahnen, die hauptsächlich auf einen nichtstaatlichen Akteur (das US-amerikanische Unternehmen SpaceX) zurückgeht, erfordert eine verstärkte Koordination zwischen Staaten und Betreibern, um mögliche Kollisionen und schädliche Störungen zu vermeiden. Das ist auch der Grundgedanke hinter dem Engagement Frankreichs in den internationalen Gremien für eine langfristige Tragfähigkeit der Raumfahrtaktivitäten.

Regulierung von Satelliten im Weltraum

Das Ministerium für Europa und auswärtige Angelegenheiten legt in Zusammenarbeit mit der Generalabteilung für Unternehmen (DGE) des Ministeriums für Wirtschaft und Finanzen die französischen Standpunkte für die Sitzungen der internationalen Satellitenorganisationen Eutelsat IGO und ITSO/Intelsat fest.

Eutelsat IGO

Die Europäische Fernmeldesatellitenorganisation Eutelsat hat die Aufgabe, die Einhaltung der in dem am 28. November 2002 in Kraft getretenen geänderten EUTELSAT-Übereinkommen festgelegten „Grundprinzipien“ durch das Unternehmen Eutelsat S.A. zu überwachen. EUTELSAT IGO wacht außerdem darüber, dass die von der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) Frequenznutzungsrechte und Orbitalpositionen, die dem Betreiber Eutelsat S.A. nach der Privatisierung der Organisation zur Verfügung gestellt wurden, erhalten bleiben.

Das Unternehmen Eutelsat S.A. mit Sitz in Frankreich ist ein etablierter Betreiber von geostationären Satelliten und dank seiner OneWeb-Konstellation der einzige Konkurrent von Starlink im Bereich der Telekommunikation in niedriger Erdumlaufbahn. Das Unternehmen betreibt eine Flotte von 34 Satelliten auf geostationären Umlaufbahnen und mehr als 600 Satelliten in der niedrigen Erdumlaufbahn. Eutelsat bietet eine Satellitenabdeckung in 150 Ländern und zählt damit zu den weltweit führenden Satellitenbetreibern. Frankreich hat sich 2025 mit einem Anteil von knapp 30 % an Eutelsat S.A. beteiligt. 

Das Ministerium für Europa und auswärtige Angelegenheiten ist in der Versammlung der Vertragsparteien von Eutelsat IGO sowie im Beratungsausschuss vertreten. Dieser befasst sich mit allen Fragen, die den Betrieb von Eutelsat S.A. und damit die Fähigkeit des Unternehmens zur Einhaltung der „Grundprinzipien“ betreffen.

ITSO/Intelsat

Die Internationale Fernmeldesatellitenorganisation ITSO (auf Englisch) ist dafür zuständig, zu überwachen, dass das Unternehmen INTELSAT Ltd seine gemeinschaftlichen Verpflichtungen im Bereich der internationalen Telekommunikation einhält.

Im Juli 2025 übernahm der Satellitenbetreiber SES das Unternehmen INTELSAT. Dieses ist inzwischen in SES integriert und verfügt damit über eine Flotte von mehr als 120 Satelliten in geostationären und mittleren Erdumlaufbahnen. Nach der Privatisierung von INTELSAT im Jahr 2001 setzte sich Frankreich gemeinsam mit zahlreichen Mitgliedstaaten der ITSO vorrangig für die Einhaltung der „Grundprinzipien“ durch die notifizierenden Verwaltungen (USA und Vereinigtes Königreich) ein, und zwar insbesondere der Grundprinzipien, die die Verwaltung von Orbitalpositionen, Ressourcen und Frequenzzuteilungen, sprich das gemeinsame Gut der der Vertragsparteien (149 Staaten), betreffen. Frankreich setzt sich über die Nationale Frequenzagentur (ANFR) und das Ministerium für Europa und auswärtige Angelegenheiten für die Integrität der Orbitalpositionen ein, die Intelsat verpflichtet ist, seinen Mitgliedstaaten zur Verfügung zu stellen.

Cospas-Sarsat

Frankreich gehört neben den Vereinigten Staaten, Kanada und der damaligen Sowjetunion bzw. heute Russland zu den vier Vertragsstaaten, die am 1. Juli 1988 die Vereinbarung über das COSPAS-SARSAT-Programm (auf Englisch) unterzeichneten. COSPAS-SARSAT ist ein internationales Satellitensystem für Such- und Rettungsmaßnahmen, an dem 42 Staaten und Organisationen beteiligt sind. Das umfasst 1 200 000 Notfunkbaken (406 Mhz), davon mehr als 23 000 in Frankreich registrierte Geräte. Seit seiner Einrichtung hat es zur Rettung von nahezu 40 000 Menschen beigetragen.

Das Ministerium für Europa und auswärtige Angelegenheiten ist im nationalen COSPAS-SARSAT-Lenkungsausschusses vertreten, der als französisches Koordinierungsgremium für das Programm fungiert. Das Ministerium wirkt insbesondere bei Fragen der Zusammenarbeit zwischen internationalen Organisationen mit (EUMETSAT, ICAO, IMO, ITU).