Frankreich im Kampf um die Narrative Rede von Jean-Noël Barrot, Minister für Europa und auswärtige Angelegenheiten, bei der Veranstaltung „Agir dans la bataille des récits“ Guerre informationnelle Rede Am : 16 Juni 2026 Ein Narrativ ist die Gesamtheit von Ereignissen, die durch einen erzählerischen Zusammenhang miteinander verknüpft sind, der eine Entwicklung im Zeitverlauf beschreibt. Ein Narrativ ist ein Diskurs, der der Welt Sinn und Kohärenz verleiht. Und Nationen brauchen Narrative, um zu existieren. Denn Nationen bestehen nicht nur aus Gebieten, Institutionen, Grenzen und Verwaltungen. Sie sind auch – und vielleicht allem voran – Räume der Repräsentation und der Projektion. Eine Nation besteht, weil sie all jenen, aus denen sie sich zusammensetzt, etwas erzählt: einen Ursprung, einen Weg, ein Versprechen, eine Verantwortung. Ja, die Welt ist „Wille und Vorstellunng", um es mit den Worten von Schopenhauer zu sagen. Dem Menschen reicht es nicht, die Wirklichkeit zu bewohnen: Er deutet sie. Er strukturiert sie. Er sucht Verbindungen zwischen Ereignissen, Ursachen hinter Brüchen, Kontinuitäten hinter Prüfungen. Weil er das braucht, weil er auf der Suche nach Sinn ist. Und dieses Vorgehen ist nicht nur individuell. Es ist kollektiv. Völker versuchen zu verstehen, was ihnen widerfährt. Sie hinterfragen ihre Vergangenheit, ihre Wunden, ihre Erfolge, ihre Fehler und ihre Kämpfe. Sie schreiben ihre Geschichte, um nicht dazu verdammt zu sein, sie nur hinzunehmen. Sie geben sich ein gemeinsames Narrativ, um unterschiedliche Leben zusammenzuhalten. Eine Nation ist im Grunde eine Gemeinschaft von Menschen, die sich in einer gemeinsamen Geschichte wiedererkennen – nicht in einer starren, verklärten Geschichte, sondern in einer lebendigen. Ein nationales Narrativ darf keine bequeme Legende sein, die die Komplexität der Wirklichkeit verdecken soll. Im Gegenteil: Es muss eine scharfsinnige Art und Weise sein, der Wirklichkeit zu begegnen, indem wir benennen, was wir gewesen sind, verstehen, was wird sind, und gemeinsam entscheiden, was wir sein wollen, welches Narrativ wir schreiben wollen. Die Welt der Narrative verabscheut Leere. Wenn wir diesen Raum also nicht selbst besetzen, werden andere es an unserer Stelle tun – mit ihren eigenen Worten.Und einige unserer Gegner haben das sehr wohl verstanden. Die neuen Imperien haben sich mit einseitigen und brutalen Narrativen bewaffnet. Narrative, die ihrem geopolitischen Projekt dienen und denen, die ihnen zuhören, Kohärenz und eine zu verteidigende Ordnung bieten.In Russland ist das die nationalistische, imperialistische und kolonialistische Karaganow-Doktrin. Eine Weltsicht, die auf der Konfrontation der Zivilisationen beruht. Ein Narrativ, in dem Russland als Schutzwall erscheint, um das westliche Chaos abzuschirmen. In den Vereinigten Staaten beobachten wir seit 2025 eine missionarische Vision, die auf reaktionären Werten beruht, auf strukturgebenden Narrativen, die in denen Doktrinen und nationalen Sicherheitsstrategien Ausdruck finden. Und die in Form von Memes weiterverbreitet werden, um an Viralität zu gewinnen. Diese Narrative beschränken sich nicht darauf, ein bestimmtes Weltbild voranzutreiben. Sie transportieren zugleich feindliche Botschaften gegen uns, um geopolitische Vorteile zu erzielen. Es handelt sich um systematische Provokationen, um nationale Einflussstrategien, die eine ständige Konfrontation im informationellen Bereich nähren und unsere institutionellen Antworten unhörbar machen. Warum? Weil sie zu glatt sind. Weil unsere Gegner wissen, dass wir zu höflich sind. Also greifen sie uns hemmungslos an. Sie behaupten, Europa stehe kurz vor der Auslöschung seiner Zivilisation. Sie sagen, man müsse das unterbinden. Und sie gehen dabei zu mehreren vor. Erinnern wir uns an die Kampagne „AbolishTheEU“, die von Elon Musk auf X angestoßen wurde und bei der sich die MAGA-Netzwerke und die Entscheidungsträger des Kremls den Ball regelrecht einander zuspielten. Neun Milliarden Interaktionen wurden innerhalb weniger Tage erzielt. Ja, die Annäherung der reaktionären Kräfte auf internationaler Ebene und die Privatisierung der Plattformen schafft einen beispiellosen Resonanzraum für Inhalte, deren Ziel nicht mehr darin besteht, zu informieren, sondern ein vorherrschendes Narrativ zu schaffen. Und 2025 beschleunigte sich die Produktion solcher Narrative auf spektakuläre Weise. Angesichts der zahlreichen Wahlen begann jeder, offensive narrative Strategien einzusetzen. Diese Entwicklung ist weder zufällig noch improvisiert: Sie ist das Ergebnis massiver Investitionen Russlands, Chinas, der Vereinigten Staaten, Israels und Irans. Von Hollywood-Produktionen bis zu TikTok-Videos sehen Sie deren Wirkung jeden Tag auf Ihren Bildschirmen. Dafür wenden die Staaten erheblich Mittel auf. China: 48 Milliarden US-Dollar pro Jahr; Russland: 2,6 Milliarden, Iran: 1,8 Milliarden und über 1,2 Milliarden allein für die Produktionen des US-amerikanischen Kriegsministeriums. Doch diese Fähigkeit, Narrative zu produzieren, ist nicht nur Staaten vorbehalten: Man braucht keine Sender, keine fremdsprachigen Angebote, keine Korrespondentennetze mehr. Heutzutage kann jeder ein Video produzieren, ohne dafür auch nur einen einzigen Cent auszugeben, und es wie eine Bombe in den amerikanischen, indischen oder südafrikanischen Informationsraum schicken. Das Einzige, was man braucht, ist eine gute Geschichte. Ja, mit der zunehmenden Nutzung sozialer Netzwerke ist das Narrativ zur zentralen Waffe asymmetrischer Konflikte und zur Stärke der Schwachen geworden. Es macht es möglich, die ganze Welt zu erreichen. Und die künstliche Intelligenz hat die Eintrittskosten praktisch beseitigt: In den vergangenen Wochen fand dieser Nullkosten-Informationskrieg mit der Verbreitung iranischer Videos mit Lego-Figuren, die sich an ein US-amerikanisches Publikum richteten, seinen Höhepunkt. Im Informationskrieg des Jahres 2026 sind visuelle und unterhaltsame Narrative die Waffen: Ihre Form ist spielerisch, ihre Funktion jedoch eindeutig geopolitisch. Und wir bei all dem? Wir haben uns im Kampf um die Narrative zu lang zurückgehalten. Warum? Weil wir lange geglaubt haben, unsere Ideen würden sich wegen ihres universellen Charakters von selbst durchsetzen. Weil uns in unserer rationalen Denkweise der Trick der Fiktion, der Verführung als Art Verrat vorkommt. Weil wir in Frankreich Nuancen, Freiheit und Vielfalt lieben und Dogmen, Einheitsnarrative und Konformismus ablehnen. Doch heute holt uns die Realität ein: Angesichts dieses Übermaßes an Narrativen reicht es nicht mehr aus, die Selbstverständlichkeiten zu benennen, sie müssen in ein Narrativ gefasst werden. Wir müssen das in ein Narrativ fassen, was wir für immer gesichert glaubten. Ein Volk, das nicht seine eigene Geschichte schreibt, findet sich damit ab, die Geschichte zu erdulden, die andere für es, über es und ohne es geschrieben haben. Und das Fehlen eines verbindendenden Narratives geht unweigerlich mit einem Gefühl der Enteignung einher. Ohne Narrativ sind wir den anderen ausgeliefert. Lassen wir uns vergiften. Ohne Worte, Bilder und Projektionen wird die Gegenwart leer. Und nach und nach, von Generation zu Generation, verliert die Nation ihre kulturelle Identität. Sie übernimmt die Besessenheit der anderen, ihre Sprache, ihre Standards, ihre Lebensweisen. Und das ist nichts Neues. Hören Sie, was Stefan Zwei bereits 1925 – vor einem Jahrhundert! – über Europa sagte: « „Die wahre Gefahr für Europa scheint mir im Geistigen zu liegen, im Herüberdringen der amerikanischen Langeweile, jener entsetzlichen, ganz spezifischen Langeweile, die dort aus jedem Stein und Haus der numerierten Straßen aufsteigt, jener Langeweile, die nicht, wie früher die europäische, eine der Ruhe, eine des Bierbanksitzens und Dominospielens und Pfeifenrauchens ist, also eine zwar faulenzerische, aber doch ungefährliche Zeitvergeudung: die amerikanische Langeweile aber ist fahrig, nervös und aggressiv, überrennt sich mit eiligen Hitzigkeiten, will sich betäuben in Sport und Sensationen. Sie hat nichts Spielhaftes mehr, sondern rennt mit einer tollwütigen Besessenheit, in ewiger Flucht vor der Zeit: sie erfindet sich immer neue Kunstmittel, wie Kino und Radio, um die hungrigen Sinne mit einer Massennahrung zu füttern, und verwandelt die Interessengemeinschaft des Vergnügens zu riesenhaften Konzernen wie ihre Banken und Trusts. Von Amerika kommt jene furchtbare Welle der Einförmigkeit, die jedem Menschen dasselbe gibt, denselben Overallanzug auf die Haut, dasselbe Buch in die Hand, dieselbe Füllfeder zwischen die Finger, dasselbe Gespräch auf die Lippe und dasselbe Automobil statt der Füße. In verhängnisvoller Weise drängt von der anderen Seite unserer Welt, von Rußland her, derselbe Wille zur Monotonie in verwandelter Form: der Wille zur Parzellierung des Menschen, zur Uniformität der Weltanschauung, derselbe fürchterliche Wille zur Monotonie.“ » Auszug aus Stefan Zweig, Die Monotonisierung der Welt So wenig wie vor einem Jahrhundert dürfen wir uns auch heute damit abfinden, die Narrative anderer hinzunehmen: Schreiben wir also unser eigenes! Was ist unser Narrativ? Das eines Landes, eines Kontinents, einer Zivilisation, die im Laufe der Jahrhunderte durch Philosophie, Wissenschaft, Kunst und Recht geformt wurde. Einer humanistischen Zivilisation, die beispiellose Fortschritte in Wissenschaft, Technologie und Wirtschaft hervorgebracht hat und der die Geschichte Recht gegeben hat. Die Fakten sprechen für sich: In Europa leben wir besser als in den Vereinigten Staaten oder in China. Wir leben hier freier. Wir leben hier länger. Wir leben hier gesünder. Unsere Lebenserwartung ist höher. Die Kindersterblichkeit ist niedriger – um die Hälfte niedriger. Auch die Ungleichheiten sind geringer. Das ist eine Tatsache. Europa ist das fortschrittlichste Bündnis freier Nationen der Welt. Der größte Wirtschaftsraum der Welt. Die demokratischste Gesellschaft der Welt.Zehn Länder bewerben sich heute um den Beitritt zur Europäischen Union. Welche andere politische Organisation der Welt kann das von sich behaupten? Ja, in Tiflis wie auf dem Maidan im Jahr 2014 erheben sich die Völker und besingen ihre Demokratiebestrebungen zu den Klängen der Ode an die Freude und schwenken die europäische Flagge als Symbol der Hoffnung. Welches andere politische Ideal auf der Welt entfacht eine solche Begeisterung? Wenn Europa heute infrage gestellt und angegriffen wird, dann ist das kein Zufall. Dann ist das, weil Europa etwas verkörpert, das stört: eine bestimmte Vorstellung von Freiheit. Ja, Europa verteidigt die individuellen Freiheiten und alle Freiheiten: die akademische und wissenschaftliche Freiheit, die Pressefreiheit, die Freiheit zu glauben oder nicht zu glauben, die Meinungsfreiheit. Europa verteidigt ebenfalls eine bestimmte Vorstellung von Recht, Menschenwürde und Demokratie. Und die autoritären Regime fürchten die Demokratie mehr als alles andere. Sie wissen, dass Demokratie ansteckend ist. Sie fürchten sich davor wie vor einem tödlichen Virus. Nichts beunruhigt sie mehr als ihre Ausbreitung. Und genau deshalb liefern sie uns diesen erbitterten Kampf um die Narrative: um uns zu entmutigen, um uns zur Kapitulation zu zwingen. Doch im Gegensatz zu dem, was man mittlerweile überall hört und liest, haben weder Frankreich noch Europa ihr letztes Wort gesprochen. Zunächst, weil diese Supermächte, diese Imperien, die uns angreifen, Verwundbarkeiten und Schwächen in sich tragen. Weil sie nicht ewig bestehen werden. Weil wir nicht dazu verdammt sind, uns von China und den Vereinigten Staaten ins Schlepptau nehmen zu lassen. Weil wir Widerstand leisten und am Ende den Sieg davontragen werden. „Am Ende dieser Finsternis ist dennoch ein Licht unvermeidlich, das wir bereits erahnen und für das wir nur zu kämpfen haben, damit es sei.“ Behalten Sie diese Worte Albert Camus‘ im Gedächtnis. Als Aufruf dazu, gemeinsam Widerstand zu leisten, nichts einfach hinzunehmen und nicht aufzugeben. Sondern im Gegenteil dieses unvermeidliche Licht – das Licht Frankreichs und Europas – zu bewahren, indem wir unser eigenes Narrativ schreiben. Und im Gegensatz zu dem, was unsere Gegner tun, werden wir dieses Narrativ gemeinsam schreiben. Es ist ein kollektives Werk, zudem jeder von uns einen Teil beiträgt und in das jeder von uns seine Perspektive, seine Werte und seine eigene Geschichte einbringen soll. Rüsten wir uns also mit den Waffen des Geistes. Lassen sie uns dieses Narrativ gemeinsam schreiben! Und setzen wir es gegen jene durch, die unsere Geschichte an unserer Stelle schreiben wollen. Genau daran arbeitet das Außenministerium seit nunmehr vier Jahren. Es hat sich in Schlachtordnung aufgestellt. Zunächst ging es um Wachsamkeit, dann um Gegenwehr und nun um Narrative. Die erste Phase war die Wachsamkeit. Zwischen 2022 und 2024 haben wir Instrumente entwickelt, um die Narrative unserer Gegner zu verstehen und ihre Kampagnen zu verfolgen. Wir haben uns auf die Erkennung, Analyse und Verbreitung von Informationen spezialisiert. Wir sind heute in der Lage, die Entwicklung der Narrative unserer Wettbewerber weltweit zu beobachten und sie direkt mit ihren laufenden außenpolitischen Winkelzügen in Verbindung zu bringen. Dafür verfügen wir über 400 Sensoren auf der ganzen Welt: unsere Botschaften, unsere Konsulate, unser diplomatisches Netzwerk – das drittgrößte der Welt. Das ist eine außergewöhnliche Schlagkraft, dank der wir einen Rundumblick auf das Informationsfeld genießen. Zweitens: die Gegenwehr. Im Jahr 2025 haben wir „die Lautstärke aufgedreht und den Ton verschärft“. Wir haben Kampagnen zur Verteidigung der Demokratie auf die Beine gestellt, um gegen das vorzugehen, was wir damals als „Algokratie“ bezeichnet haben. Wir haben uns Schritt für Schritt die MAGA-Missionare gewehrt, die Europa angriffen, indem wir die russischen Lügen über die Ukraine entlarvt und die Anschuldigungen gegenüber Frankreich in Afrika widerlegt haben. Diese Haltung der Gegenwehr wurde auf der ganzen Welt weitgehend zur Kenntnis genommen und begrüßt. French Response hat genau ins Schwarze getroffen und die Matrix durcheinandergebracht. Das ist kein Troll-Account. Es ist ein geopolitisches Instrument, ein Instrument zur unmittelbaren Zurechtweisung. Wir leisten Gegenwehr, wir prangern die gegnerischen Manipulationen an, wir weisen zurecht. Unser Ziel dabei ist es, das Wahrnehmungsfeld wieder ins Gleichgewicht zu bringen, wenn es absichtlich zu unserem Nachteil verzerrt wurde. Dank French Response sind uns innerhalb weniger Monate 200 000 Menschen auf Twitter gefolgt. Vielen Dank für die Begeisterung und den Stolz, den so viele von Ihnen zum Ausdruck gebracht haben. Wir möchten uns auf diesem positiven Ergebnis aber nicht ausruhen. Schnallen Sie sich an: Heute, am 7. Mai, feiert French Response seinen Einzug auf TikTok. Und dort werden wir richtig durchstarten. Und je mehr wir uns an dem Informationskrieg beteiligen, je mehr wir uns der Fronlinie nähern, desto mehr werden wir auf Sie angewiesen sein.Dritte Phase: die Entwicklung unserer eigenen Narrative. Die Gegenwehr funktioniert, das haben wir bewiesen. Sie drängt unsere Wettbewerber zurück. Sie ermöglicht es, die gegnerischen Manöver sichtbar zu machen, ihre Verbreitung in Schach zu halten und der Öffentlichkeit die Augen zu öffnen. Doch Gegenwehr ist immer eine Art der Reaktion. Wir wollen nunmehr im Vorfeld eingreifen, also selbst den Informationsraum gestalten und nicht nur auf gegnerische Linien reagieren. Wenn eine Kampagne demaskiert wird – das wissen wir alle – ist der Schaden bereits angerichtet. Man kann sie dann nur noch zur Kenntnis nehmen. Die Narrative haben sich bereits festgesetzt, die Wahrnehmungen wurden beeinflusst und Entscheidungen wurden auf Grundlage Informationen getroffen. Heute wollen wir früher ansetzen, noch bevor die gegnerische Operation überhaupt gestartet wird. Unsere eigene Richtung vorgeben. Das ist der neue Kampf, zu dem ich sie aufrufe. Nach der Wachsamkeit, nach der Gegenwehr kommt nun der Kampf um die Narrative. Um den Informationskrieg zu gewissen, müssen wir als erste handeln und in die Offensive gehen. Der Staatspräsident hat es bereits gesagt: „Wer frei sein will, muss gefürchtet werden. Und wer gefürchtet werden will, muss stark sein.“ All das gilt auch im Bereich der Wahrnehmungen. Das Ministerium für Europa und auswärtige Angelegenheiten will dabei eine treibende Kraft sein.Rund um die Bewegung French Reponse hat sich inzwischen eine echte Gemeinschaft gebildet. Sie vereint Menschen mit Kampfgeist, die Frankreich helfen wollen. Gemeinsam mit Ihnen möchten wir dieser Bewegung die Möglichkeit geben, zu Taten überzugehen, sich an unserer Seite zu organisieren und sich stärker proaktiv und offensiv zu engagieren. Meinerseits werde ich dafür Sorge tragen, dass sich unser diplomatisches Netzwerk in eine schlagkräftige Informationsmacht verwandelt. Und dazu wollte ich die Strategie, die ich Ihnen soeben dargelegt habe, operationalisieren. Ganz konkret habe ich beschlossen, ein spezielles Team innerhalb des Ministeriums in Paris und im Ausland zu schaffen: ein neues Referat innerhalb der Abteilung Presse und Öffentlichkeitsarbeit mit zwei Aufgabenbereichen, und zwar der Produktion von Narrativen sowie der Verbreitung und der Aktivierung des diplomatischen Netzwerks. Ich habe unsere Auslandsvertretungen weltweit gebeten, regelmäßig zusammenzukommen und ihre narrativen Schwerpunkte und Strategien festzulegen. Wir werden unsere Arbeit 2026 noch weiter verfeinern, um die lokalen Narrative besser zu erfassen und unsere Narrative an die jeweiligen Gegebenheiten vor Ort anzupassen.Gemeinsam mit dem Forscher Paul Charon, der später noch zu Wort kommen wird, werden wir in rund zwanzig Ländern eine Erfassung der dortigen Wahrnehmungen vornehmen. Diese Arbeit wird uns dazu dienen, die Wirksamkeit unserer Maßnahmen zu verbessern. Und ich habe unsere Diplomatinnen und Diplomaten bereits damit beauftragt, den narrativen Raum stärker zu besetzen. Im Januar hatte ich angekündigt, dass wir bestimmte Gebiete als Schauplätze des Informationskriegs ausweisen werden: Das ist bereits geschehen. Es gibt 30 solcher Gebiete. Die Liste soll alle sechs Monate überarbeitet werden, um den Entwicklungen im Informationsraum und den Bedürfnissen unserer Auslandsvertretungen Rechnung zu tragen. Bei diesen Gebieten handelt es sich um Länder, in denen die Vertreterinnen und Vertreter Frankreichs, in unseren Botschaften, Ziel von Angriffen und Kampagnen zur Untergrabung ihrer Glaubwürdigkeit sind, wodurch die Ausübung ihrer Arbeit behindert wird. Konkret verfügen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesen Gebieten des Informationskrieges über ausgebaute Beratungsdienste, die über eine zentrale Anlaufstelle erreichbar sind. Wir statten sie mit sämtlichen Mitteln aus, die sie brauchen, um sich im Informationskrieg in Echtzeit und langfristig zu verteidigen.Doch um dieser Herausforderung zu begegnen, sind unsere Diplomatinnen und Diplomaten auch auf Sie angewiesen. Auf Ihr Talent, Ihre Geschicklichkeit, Ihre Sprachkenntnisse und Ihre Medienkompetenzen. Deshalb habe ich beschlossen, heute das erste Kontingent der diplomatischen Reserve einzurichten: ein digitales Kontingent, das dem Informationskrieg gewidmet ist. Der Aufbau dieses Kontingents beginnt hier und jetzt. Vielen Dank an die 440 Bewerberinnen und Bewerber, die seit letztem Juli ihre Unterstützung angeboten haben. Und Danke auch an die 120 neuen Bewerberinnen und Bewerber, die sich für das Speeddating angemeldet haben, das wir heute live mit unseren Auslandsvertretungen veranstalten. Am Ende dieses Tages werden wir mehrere Dutzend Reservistinnen und Reservisten ausgewählt haben, die für die 30 vorrangigen Schauplätze des Informationskrieges zuständig sein werden. Und mehrere Dutzend weitere werden unserem neueingerichteten Team in der Ministeriumszentrale unter die Arme greifen, um die zunehmende Verantwortung unserer Auslandsvertretungen zu koordinieren. Diese Reserve, die das Ministerium unterstützen wird, ist die Garantie dafür, dass wir unsere Anstrengungen im Bereich der Narrative deutlich ausbauen werden. Den ganzen Tag über findet eine Reihe von Workshops statt, bei denen sie das nötige Rüstzeug erhalten, um im Kampf um die Narrative zu bestehen und so einen Vorgeschmack auf Ihre künftigen Aufgaben bekommen. Wir wollten, dass dieser Tag außerhalb unserer Gebäude stattfindet, an diesem Ort des digitalen Experimentierens und der Zusammenarbeit, da ich das Ministerium für Europa und auswärtige Angelegenheiten genauso verstehe: als weltoffenen Ort, im Dienste und inmitten der Französinnen und Franzosen. Ich bedanke mich bei allen akademischen Partnern, die unserer Einladung gefolgt und gekommen sind, um ihre Expertise im Bereich der Narrative mit uns zu teilen. Ebenfalls danke ich unseren Partnern des Ministeriums für Streitkräfte und begrüße ihre Initiative „Workshops zur Bekämpfung von Informationsmanipulation“, die sie gemeinsam mit dem CNRS und Inria auf die Beine gestellt haben. Ich hoffe, dass Sie alle diesen Tag als nützlich und ergebnisreich erlebt haben. Lassen Sie uns die French Response-Gemeinschaft mit Leben füllen. Haben Sie keine Angst davor, ins digitale Zeitalter einzutreten. Geben Sie niemals nach. Weder der Verdrossenheit noch dem Lärm der Zeit, denn der Kampf um die Narrative hat gerade erst begonnen. Er wird mit den Waffen des Geistes geführt. Denen der Vorstellungskraft, der Beherztheit und der Träume. Ergreifen Sie das Wort, nehmen Sie den Raum ein und machen Sie sich hörbar. Damit Europa lebt und damit Frankreich lebt!