Frankreichs Einsatz für die Erinnerung an die Shoah und die Weitergabe des Vermächtnisses

Anlässlich der Gedenkfeierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Razzia im Vélodrome d’Hiver bekräftigte der französische Außenminister: „Da viele der Holocaust-Zeitzeugen bereits von uns gegangen sind, sieht Frankreich es als seine höchste Verantwortung an, die Erinnerung wachzuhalten.
Frankreich stellt sich den dunkelsten Momenten seiner Geschichte und möchte die universellen Erkenntnisse über das Verständnis von totalitären Mechanismen und der Verhinderung von Gräueltaten mit den anderen Nationen teilen.“ (Erklärung des Sprechers vom 20. Juli 2012)

Veröffentlicht am : 30 December 2025 Aktualisiert am : 02 March 2026

©Judith.Litvine/MEAE 02/05/2021

Zuvor hatte Staatspräsident Jacques Chirac in seiner Rede im Vélodrome d’Hiver 1995 bereits die „unverjährbare Schuld Frankreichs“ gegenüber den Opfern der Deportation anerkannt und damit eine politische Geste vollzogen, die von den jüdischen Gemeinschaften der ganzen Welt geschätzt wurde.

Die Erinnerungskultur als Teil der Außenpolitik Frankreichs

Für Frankreich ist die Erinnerungspflicht ein wesentlicher Bestandteil seiner Außenpolitik. Frankreich mobilisiert sein gesamtes diplomatisches, wissenschaftliches und kulturelles Netzwerk, um Menschenrechtsbildung und das Gedenken an den Holocaust zu fördern.

Isabelle Rome, die im Rahmen ihrer Funktion als Menschrechtsbotschafterin des Ministeriums für Europa und auswärtige Angelegenheiten für die internationale Dimension der Shoah, die Enteignungen und die Erinnerungspflicht zuständig ist, arbeitet zu diesen Themen eng mit den französischen Institutionen zusammen, die in diesem Bereich tätig sind (insbesondere mit der Fondation pour la mémoire de la Shoah und dem Mémorial de la Shoah).

Frankreich ist zudem aktives Mitglied der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA), eine zwischenstaatliche Organisation, die 1998 gegründet wurde und der aktuell 33 Länder angehören. Die IHRA wurde speziell geschaffen, um das Erinnern, die Bildung und die Forschung im Bereich des Holocaust zu fördern. Ihre Gründung geht auf die Stockholmer Erklärung zurück, die am Ende des Internationalen Forums über den Holocaust im Januar 2000 in der schwedischen Hauptstadt verabschiedet wurde.

Auch das Institut français, das die für das auswärtige Handeln im Bereich Kultur zuständige Mittlerorganisation des Ministeriums für Europa und auswärtige Angelegenheiten ist, ist in diesem Bereich tätig und schloss eine Partnerschaft mit dem Mémorial de la Shoah, um gemeinsame Aktionen durchzuführen, bei denen das Holocaust-Gedenken im Vordergrund steht.

Zudem nimmt Frankreich an den internationalen Konferenzen zur Identifizierung von NS-Raubgut und zur Rückgabe an die Opfer teil. So führt Frankreich auf internationaler Ebene die Arbeit der am 10. September 1999 auf Initiative des damaligen Premierministers Lionel Jospin hin gegründeten Kommission für die Restitution von Kulturgütern und die Entschädigung antisemitischer Enteignungen (CIVS) fort. Diese Kommission wurde damit beauftragt, die individuellen Wiedergutmachungsanträge von Opfern bzw. ihren Anspruchsberechtigen zu prüfen, die aufgrund der antisemitischen Gesetzgebungen sowohl der Besatzungsmacht als auch der Vichy-Behörden während der deutschen Besatzung Frankreichs enteignet wurden.

Video: Jacques Fredj, Leiter des Mémorial de la Shoah, über die Bedeutung des größten Shoah-Archivs in Europa

75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz - Botschaft von Robert Badinter

Weiterführende Links:

Website der IHRA (International Holocaust Remembrance Alliance, auf Englisch)

Website der CIVS (Kommission für die Restitution von Kulturgütern und die Entschädigung antisemitischer Enteignungen)