Die Mittlerorganisationen des Quai d’Orsay

Die Mittlerorganisationen des MEAE

Das Ministerium für Europa und auswärtige Angelegenheiten (MEAE) hat im Jahr 2008 einen Reformprozess in Gang gesetzt, dessen Leitlinien aus dem Verfahren zur generellen Überprüfung der staatlichen Politik (révision générale des politiques publiques, RGPP) und dem Weißbuch über die Außenpolitik Frankreichs stammen, das im Juli 2008 veröffentlicht wurde.

Dank dieser Reform ist die französische Einflussdiplomatie verständlicher und effizienter geworden:

  • Die Koordinierungs- und Strategierolle der Ministeriumszentrale wurde bestätigt (Entstehung der Generalabteilung Globalisierung, Entwicklung und Partnerschaften – DGM – im März 2009) ;
  • Die Umsetzung der Politikbereiche wurde Mittlerorganisationen anvertraut.

Was ist eine staatliche Mittlerorganisation?

Um als staatliche Mittlerorganisation zu gelten, muss eine juristische Person, unabhängig von ihrem genauen juristischen Status:

  • eine öffentliche Dienstleistung erbringen, die sich explizit der Umsetzung einer staatlich definierten Politik zurechnen lässt;
  • mehrheitlich staatlich finanziert sein, entweder direkt in Form von Subventionen, oder indirekt durch zweckbestimmte Mittel, insbesondere steuerlicher Art;
  • unter der direkten Kontrolle des Staats stehen. Hier geht es nicht nur um eine wirtschaftliche oder finanzielle Kontrolle, sondern um eine Betreuung, die strategische Entscheidungen beeinflussen kann, was nicht unbedingt die Teilnahme am Verwaltungsrat einschließt.

Überblick über die Mittlerorganisationen des Ministerium für Europa und auswärtige Angelegenheiten (MEAE)

Das MEAE betreut, entweder allein oder in Zusammenarbeit mit anderen Behörden, 9 Einrichtungen. Die Mittlerorganisationen des MEAE sind in verschiedenen strategischen Bereichen des Ministeriums tätig:

Entwicklungszusammenarbeit

Agence française de développement (AFD)

Die französische Entwicklungsagentur Agence Française de Développement (AFD) bildet als staatliche Einrichtung das Herzstück der französischen Entwicklungszusammenarbeit.

Sie bekämpft die Armut und fördert die Entwicklung der südlichen Länder. Sie unterstützt außerdem die wirtschaftliche und soziale Dynamik der Überseegebiete. Aufgabe der AFD ist die Finanzierung von Projekten, Programmen und Studien, sowie die Begleitung der südlichen Partner bei der Stärkung ihrer Kapazitäten.

Das MEAE, das Ministerium für Wirtschaft, Industrie und Digitales, das Ministerium für Finanzen und Haushalt sowie das Ministerium für die Überseegebiete betreuen die Arbeit der AFD gemeinsam.

Canal France International (CFI)

Canal France International (CFI) ist seit 20 Jahren die Mittlerorganisation der französischen audiovisuellen Zusammenarbeit mit den Ländern Afrikas, des Mittelmeers, des Balkans, des Kaukasus und Asiens. CFI, Filiale der Unternehmensgruppe France Télévisions, betreut ein Netzwerk von Partnern aus dem Medienbereich.

Dank seiner langjährigen Erfahrung kann CFI die Bedürfnisse der Partner identifizieren und entsprechende Lösungsvorschläge in den verschiedensten Arbeitssprachen anbieten. CFI begleitet außerdem die Überlegungen und strategischen Weichenstellungen seiner Partner im Rahmen ihrer Anpassung an die neuen digitalen Medien.

Expertise France

Expertise France ist die französische Agentur für internationales technisches Know-how, die am 1. Januar 2015 aus der Zusammenlegung von 6 Mittlerorganisationen französischer technischer Hilfe hervorgegangen ist (FEI, ADETEF, ADECRI, SPSI, ESTHER, INTER).

Sie ist im Bereich der französischen Entwicklungszusammenarbeit und Wirtschaftsbeziehungen tätig.

Expertise France beantwortet die wachsende Nachfrage nach Expertenwissen vonseiten der Entwicklungsländer, der Schwellenländer und der europäischen Nachbarstaaten zum Aufbau öffentlicher Politiken und im Hinblick auf institutionelle, wirtschaftliche, demografische, soziale und ökologische Herausforderungen.

France Volontaires

France Volontaires ist die Plattform der solidarischen Freiwilligendienste im Ausland.

Sie wurde am 1. Oktober 2009 gegründet und soll die verschiedenen französischen Freiwilligendienste im Ausland (volontariats internationaux d’échange et de solidarité, VIES) unterstützen, ausbauen und bei ihrer Umsetzung begleiten.

France Volontaires informiert und orientiert Personen, die sich freiwillig engagieren möchten (Kandidaten, Freiwillige, Aufnahme- und Entsendestrukturen). Mit seiner Erfahrung im Bereich der Freiwilligendienste trägt es zur Mobilisierung der Behörden, der Gebietskörperschaften und der Vereine bei. France Volontaires erkundet und beobachtet.

Außenhandel und Tourismus

Im April 2014 wurde das Aufgabenfeld des Ministeriums auf den Außenhandel und den Tourismus ausgeweitet, wodurch das MEAE für drei neue Mittlerorganisationen zuständig wurde: Atout France, Ubifrance und die AFII.

Atout France

Die Agentur für die touristische Entwicklung Frankreichs entstand durch das Gesetz des 22. Juli 2009 zur Entwicklung und Modernisierung der touristischen Dienstleistungen.

Atout France soll zur Entwicklung der Tourismusindustrie beitragen, die den größten französischen Wirtschaftszweig darstellt. Dank der vertieften Beobachtung und Analyse des internationalen Tourismusmarkts kann die Agentur hauptberufliche Anbieter bei sämtlichen Etappen ihrer touristischen Produktion begleiten: von der Erfindung des „Produkts“ über die Entwicklung bis zur Marktreife.

Die Agentur verfolgt dabei ein dreifaches Ziel : Förderung des Tourismus in Frankreich, Umsetzung von Projekten im Gastgewerbe und Durchführung einer Wettbewerbs- und Qualitätspolitik der Unternehmen dieses Wirtschaftszweigs. Den staatlichen Vorgaben entsprechend definiert sie die nationale Förderungsstrategie des „Reiseziels Frankreich“ und stützt sich dabei auf ein Netzwerk von über 400 Mitarbeitern im In- und Ausland sowie 35 Vertretungen in 32 Ländern.

Business France

Am 17. Februar 2014 verkündete der französische Präsident die Zusammenlegung der Agence française des investissements internationaux (Afii) mit Ubifrance, der Agentur für die internationale Entwicklung der französischen Wirtschaft. Dies wurde am 1. Januar 2015 durch die Entstehung von Business France in die Tat umgesetzt.

Business France soll die Exporttätigkeit fördern, insbesondere die der französischen KMU, und außerdem die Attraktivität Frankreichs für ausländische Investoren erhöhen. Die Agentur wird außerdem eine Kommunikations- und Image-Strategie vorschlagen und umsetzen, um das wirtschaftliche Bild Frankreichs im Ausland weiterzuentwickeln.

Business France bildet nun eins der Instrumente der Wirtschaftsdiplomatie, die das MEAE seit 2012 entwickelt.

Kultur, Bildung, Frankophonie

Institut français

Das Institut français hat als entscheidender Mittler der Kulturdiplomatie des MEAE die Aufgabe, die auswärtige Kulturpolitik Frankreichs hinsichtich des künstlerischen Austauschs, der visuellen Künste, der Architektur, des Films, der Ideen und des Wissens aufzuwerten.

So trägt es zur Stärkung des weltweiten Einflusses Frankreich bei und fördert den internationalen Kulturaustausch. Das Institut français fördert außerdem die französischen Sprache im Ausland sowie die Ausbildung und Begleitung der Mitarbeiter des französischen Kulturnetzwerks.

Agence pour l’enseignement français à l’étranger (AEFE)

Im Jahr 1990 entstand die Agentur für das französische Schulwesen im Ausland (Agence pour l’enseignement français à l’étranger, AEFE). Sie ist als öffentlicher Dienstleister mit der Schulbildung der französischen Kinder im Ausland betraut und trägt zur Ausstrahlung der französischen Sprache und Kultur bei, sowie zu der Stärkung der Beziehungen zwischen dem französischen Schulsystem und dem ausländischen Schulwesen.

Die AEFE pflegt und fördert ein weltweit einzigartiges Schulnetzwerk, das insbesondere aus 488 Schulen in 130 Ländern besteht.

Campus France

Campus France ist unter der gemeinsamen Betreuung des MEAE und des Ministeriums für Bildung, Hochschulen und Forschung mit der Umsetzung der Politik zur Attraktivität Frankreichs beauftragt. Hauptaufgaben sind:

• Die positive Darstellung und Förderung der französischen Hochschul- und Forschungseinrichtungen (Entwicklung der internationalen Hochschul- und Forschungsmobilität)

• Die Verbesserung der Aufnahme und Betreuung ausländischer Studierender und Forscher

• Die Betreuung eines Studierenden- und Forschernetzwerks (Alumni)