Tourismus in Frankreich

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Der Tourismus nimmt eine bedeutende Position in der französischen Wirtschaft ein. Die Branche hat einen Anteil von fast 8 % am BIP und sorgt für 2 Millionen direkte und indirekte Arbeitsplätze. Vor dem Hintergrund, dass Frankreich seit Jahren als das beliebteste Reiseziel der Welt gilt, ist der Tourismus außerdem ein im Ausland anerkannter Einflussträger. Mit 90 Millionen ausländischen Touristen in Frankreich (Überseegebiete eingeschlossen) war 2019 ein Rekordjahr.

Eine von der Coronakrise hart getroffene Branche

Die Coronakrise hat die Tourismusbranche besonders hart getroffen und dazu geführt, dass die in den ersten 7 Monaten des Jahres 2020 erwirtschafteten internationalen Tourismuseinnahmen um 50 % zurückgingen.
Nach dem asiatisch-pazifischen Raum ist Europa mit einem Rückgang der Ankünfte um 66 % im Laufe des ersten Halbjahrs 2020 weltweit die am zweitstärksten von der Gesundheitskrise betroffene Region. Der erwartete Einbruch der Ausgaben der französischen und ausländischen Touristen in Frankreich im gesamten Jahr 2020 wird auf -30 bis -35 % geschätzt. Dennoch scheint Frankreich dank seines soliden nationalen Marktes krisenresistenter als seine europäischen Nachbarn zu sein.

Frankreichs Unterstützung für die Branche

Das Ministerium für Europa und auswärtige Angelegenheiten fördert und unterstützt die Tourismusbranche mittels innovativer und auf die Bedürfnisse der Branchenangehörigen abgestimmter Maßnahmen.

Im Zuge dieser Konsultationsbemühungen wurde im Januar 2020 der Tourismusausschuss „Comité de filière Tourisme“ (CFT) unter der Leitung von Staatssekretär Jean-Baptiste Lemoyne gegründet.

Ziel dieses Ausschusses ist es, gemeinsam eine wirksame Tourismuspolitik zu vier Themenbereichen zu entwickeln: Beschäftigung/Ausbildung, nachhaltige Entwicklung, Digitalisierung, Regulierung/Wettbewerbsfähigkeit.
Mit den Arbeiten des CFT wird die Unterzeichnung eines Branchenvertrags angestrebt, um so konkrete und auf die Bedürfnisse des Sektors abgestimmte Antworten zu liefern.

Im Mittelpunkt der Krise: Konsultationen

Der CFT hat sich als besonders nützliches und effizientes Arbeitsinstrument erwiesen, um auf den aus der Coronakrise und ihren Folgen resultierenden dringenden Bedarf an Konsultation einzugehen. Seit Beginn der Krise ist der Ausschuss in einem fast wöchentlichen Rhythmus zusammengekommen.

So konnten die prioritären Herausforderungen und Bedürfnisse der Branche herausgearbeitet werden, um anschließend geeignete Lösungen zu finden. Außerdem konnte in Erinnerung gerufen werden, wie zahlreich und vielfältig die vom Tourismus abhängigen Unternehmen sind, und dass alle ihre eigenen spezifischen Probleme haben.

Verschiedene Instrumente und Maßnahmen konnten während der Krise geschaffen werden:

  • ein monatliches Barometer von Atout France/Office de tourisme et des Congrès de Paris
  • Webinare, Benchmarks, Beobachtungen und Studien von Atout France
  • die Kommunikationskampagne #SummerInFrance („Cet été je visite la France“) zwischen Juni und September 2020 zur Förderung des nationalen Tourismus
  • eine interaktive Karte der touristischen Orte und Leistungen, die in Zusammenarbeit mit ADN Tourisme erstellt wurde und durch die über 10 Millionen Menschen in den sozialen Medien informiert werden konnten. Diese Initiative hat aktiv dazu beigetragen, sowohl bei französischen Touristen als auch bei Touristen aus europäischen Nachbarländern für das Reisen in Frankreich zu werben.

Angepasste Maßnahmen zur Erhaltung der Aktivität der Tourismusbranche während der Gesundheitskrise

Zusätzlich zu dem Tourismusausschuss ist der Staatssekretär gleich zu Beginn der Krise mit den institutionellen und privaten Akteuren der jeweiligen französischen Regionen zusammengekommen, um die staatlichen Hilfen so gut wie möglich an die Branche anzupassen.

Die Tourismusunternehmen haben von den gesamten Notfallmaßnahmen profitiert, die von der Regierung in Reaktion auf die Auswirkungen der Pandemie auf die Wirtschaftstätigkeit verabschiedet wurden:

Les entreprises du tourisme ont bénéficié de l’ensemble des mesures d’urgence adoptées par le gouvernement en réponse aux conséquences de la pandémie sur l’activité économique :

  • Förderung der Beschäftigung durch die Einführung von Kurzarbeit, die von der Tourismusbranche stark genutzt wurde
  • Liquiditätshilfen für Unternehmen durch staatlich verbürgte Darlehen (PGE) und den Solidaritätsfonds bis Ende 2020 sowie bestimmte Maßnahmen zur Befreiung von Sozialabgaben
  • Aussetzung von Mieten und Abgaben für die Nutzung öffentlichen Eigentums für Kleinstunternehmen und KMU, insbesondere während der Zeit der behördlich angeordneten Schließungen

Die Regierung hat zudem die Einrichtung eines staatlich verbürgten Darlehens „PGE saison“ angekündigt, das sich bis auf die Höhe des Umsatzes der drei besten Monate im Jahr 2019 belaufen kann, sowie die Stundung der fälligen Bankverbindlichkeiten um 12 Monate.
Auf Grundlage dieser Gespräche konnte der Staat außerdem ein spezielles Konjunkturprogramm für die Branche in Höhe von 18 Milliarden Euro auf den Weg bringen. Das am 14. Mai 2020 vom Premierminister anlässlich der 5. Sitzung des interministeriellen Tourismusausschusses (CIT) angekündigte Konjunkturprogramm umfasst die Einrichtung eines Investitionsfonds in Höhe von 1,3 Mrd. Euro ‚ der von den staatlichen Finanzinstituten Caisse des dépôts (CDC) und Bpifrance getragen wird, und die Entwicklung eines nachhaltigeren, landesweit besser verteilten und digitalen Tourismus fördern soll. In diesem Rahmen werden für das von Atout France gesteuerte Programm „France Tourisme ingénierie“ 29 Millionen Euro bereitgestellt, um die Regionen und die privaten Projektträger, die das touristische Angebot ausbauen möchten, zu unterstützen.

Ferner sieht das im September 2020 von der Regierung vorgestellte Konjunkturprogramm die Einrichtung eines Fonds für nachhaltigen Tourismus in Höhe von 50 Mio. Euro vor, um die Anpassung der Tourismusaktivitäten zu begleiten. Auch Restaurants und Beherbergungsbetriebe werden durch finanzielle Hilfen (Subventionen) unterstützt, um die im Zusammenhang mit dem Übergang zu und dem Heranreifen von nachhaltigen Tourismusprojekten entstehenden Investitionskosten zu decken. Die französische Agentur für den ökologische Wandel (ADEME) wird vorrangig für die Verteilung dieser Hilfen zuständig sein und sich dabei sehr eng mit den Gebietskörperschaften abstimmen, um ihre Bedürfnisse und Besonderheiten berücksichtigen zu können.

Das Programm wurde seitdem auf Grundlage von kontinuierlichen Gesprächen mit Branchenangehörigen ausgebaut, insbesondere durch die Umsetzung von Fördermaßnahmen für die Branche, wie die Erweiterung der Liste der Unternehmen, die von dem Programm profitieren können, die Verlängerung der Übernahme der Kosten für die Kurzarbeit in Höhe von 100 %, der Ausbau des Solidaritätsfonds und die Erweiterung des Umfangs des „PGE saision“-Darlehens.

Pressemappe des interministeriellen Tourismusausschusses vom 12. Oktober 2020 (französisch)

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