Gedächtnis und Kultur des Friedens im Mittelpunkt der Partnerschaft zwischen der Region Centre-Val de Loire und dem Bundesland Sachsen-Anhalt

2013 entwickelten die Region Centre-Val de Loire und das Bundesland Sachsen-Anhalt auf Initiative des Präsidenten der Region Centre - Val de Loire und des Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt ein Projekt zu Fragen der Pädagogik der Erinnerung („Sich erinnern, sich begegnen“). Der Austausch, der sich auf die Geschichte des Zweiten Weltkriegs und die Erinnerung an die Shoah in beiden Ländern konzentriert, erweist sich als ergiebig und nützlich.

Das Projekt

"Sich erinnern, sich begegnen" ist ein Programm, das die Zusammenarbeit zwischen französischen und deutschen Schulen rund um die folgende Frage ermöglicht: „Welche pädagogischen Ansätze sind geeignet, um die Geschichte der Shoa zu unterrichten und eine Kultur des Friedens in Europa zu fördern? “ Unterstützt wird der Ansatz durch zwei Forschungszentren, das CERCIL-Musée mémorial des enfants du Vel d’Hiv in Orléans und die Landeszentrale für politische Bildung in Magdeburg.

Dr. Uwe Birkholz, Referent für Internationale Beziehungen im Bildungsministerium des Landes Sachsen-Anhalt, zufolge, gründet diese Partnerschaft auf den vielen menschlichen Beziehungen, die im Laufe der Jahre aufgebaut und erneuert wurden.

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40 französische und deutsche Schüler vor dem Landtag von Sachsen-Anhalt bei den Feierlichkeiten am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, 27. Januar 2018 © memoires croisees.eu
Ziele

Das Projekt zielt darauf ab, die Lehrerinnen und Lehrer in ihrer Reflexion über neue pädagogische Ansätze zur Vermittlung der Shoa zu begleiten und den Austausch von Unterrichtspraktiken zu fördern. Generell wird angestrebt, gemeinsame Fortbildungen durchzuführen und gemeinsame pädagogische Hilfsmittel zu entwickeln. Das Hauptziel ist die Entwicklung einer Kultur des Friedens und einer aktiven europäischen Bürgerschaft bei den Jugendlichen, und zwar im schulischen und außerschulischen Rahmen.

Die Instrumente

Die Jugendmobilität ist ein wichtiger Bestandteil des Projekts: Regelmäßig werden Klassenaustausche organisiert und jedes Jahr findet im Januar ein Workshop zum Thema des zeitgenössischen Gedenkens statt, an dem etwa fünfzig junge französische und deutsche Botschafter der Gebietskörperschaften des Centre-Val de Loire und von Sachsen-Anhalt teilnehmen. Außerdem werden thematische Begegnungen zwischen Jugendlichen aus Frankreich und Deutschland sowie Besuche an Orten der Erinnerung in Polen organisiert. Darüber hinaus werden an deutschen und französischen Gymnasien künstlerische Projekte im Bereich Tanz oder Fotografie zu diesem Thema durchgeführt.

Ergebnisse

Die auf die Pflicht zur Erinnerung ausgerichtete Zusammenarbeit führt zu intensiven Debatten über historische Konzepte, die verwendeten Fachbegriffe, die Vielfalt der Ansätze französischer und deutscher Historiker, und zwar mit Wohlwollen und Respekt des anderen. Das Projekt ermöglicht es auch, aktuelle europäische Themen anzusprechen: zunehmender Extremismus, Migration, Fremdenfeindlichkeit usw.

Laut Dr. Uwe Birkholz ermöglichte das Programm „Sich erinnern, sich begegnen“ den Ausbau der Sprachkenntnisse, die Entdeckung einer deutsch-französischen Identität und die Entwicklung persönlicher Kontakte und Freundschaften über die Grenzen hinweg. Dank des Programms konnte auch eine dauerhafte Partnerschaft zwischen den Schulen aufgebaut werden, und sowohl in Frankreich als auch in Deutschland konnten reale Auswirkungen auf die Schülerinnen und Schüler festgestellt werden.