Bilaterale Beziehungen mit Österreich

Kurzmeldung

Österreich - Reise von Nathalie Loiseau (Wien, 21. Juni 2018)

Sie wird sich mit ihrem Amtskollegen Gernot Blümel und der Bundesministerin für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort Margarete Schramböck über die aktuellen EU-Themen austauschen. Die Europaministerin wird ihren Gesprächspartnern kurz vor Beginn des österreichischen EU-Ratsvorsitzes am 1. Juli Frankreichs Prioritäten für Europa vorstellen.

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Politische Beziehungen

Frankreich und Österreich pflegen freundschaftliche politische Beziehungen

Frankreich und Österreich stimmen bei zahlreichen europäischen Themen überein (Suche nach einem Gleichgewicht zwischen Haushaltsdisziplin und Förderung des Wirtschaftswachstums, Überarbeitung der Entsende-Richtlinie, verstärkte Zusammenarbeit bei der von Österreich seit langem unterstützten Besteuerung der Finanztransaktionen, Eintreten für die GAP usw.). Kontakte auf Ministerebene sind häufig.

Der ehemalige österreichische Bundespräsident Heinz Fischer reiste am 5. und 6. November 2013 nach Frankreich, wo er den französischen Staatspräsidenten, Premierminister und Außenminister traf.
Der ehemalige Bundeskanzler Werner Faymann wurde im Oktober 2012, Oktober 2015 und Februar 2016 vom französischen Staatspräsidenten und im Juni und August 2014 vom Premierminister empfangen. Der damalige Premierminister Jean-Marc Ayrault besuchte Wien im Januar 2014, wie auch sein Nachfolger Manuel Valls im November des gleichen Jahres sowie im September 2015.
Der Bundesminister für Europa, Integration und Äußeres, Sebastian Kurz, beteiligte sich an dem Solidaritätsmarsch („marche républicaine“) am 11.°Januar 2015, während die Bundesministerin für Inneres, Frau Mikl-Leitner, an dem von Innenminister Bernard Cazeneuve organisierten G10-Treffen teilnahm. Am 4. Juli und 8. Dezember 2016 kamen Sebastian Kurz und Jean-Marc Ayrault in Wien zusammen.
Der französische Minister für Wirtschaft und Finanzen Bruno Le Maire traf seinen österreichischen Amtskollegen Hans Jörg Schelling am 29. Juli 2017 in Wien.
Am 23. August 2017 traf der französische Staatspräsident Bundeskanzler Christian Kern in Salzburg zu einem bilateralen Gespräch sowie zu einem Gespräch im Austerlitz-Format (AT, SK und CZ) mit dem slowakischen und tschechischen Regierungschef. Außerdem empfing er Bundeskanzler Sebastian Kurz im Rahmen dessen ersten offiziellen Auslandsreise am 12. Januar 2018 in Paris.

Das Österreichisch-Französische Zentrum (ÖFZ) ist ein Instrument des bilateralen Dialogs

Das Österreichisch-Französische Zentrum für Annäherung in Europa wurde auf Initiative von Bruno Kreisky und Jacques Chirac gegründet, um ab dem Jahr 1978 die Kontakte zwischen Westeuropa und dem Ostblock zu fördern. Es ist in Wien angesiedelt und wird von beiden Regierungen paritätisch finanziert. In diesem Zentrum werden Kolloquien und Seminare veranstaltet, die zu Veröffentlichungen zu Themen im Bereich der bilateralen Beziehungen und der großen europäischen Fragestellungen mit einem besonderen Akzent auf Mittel- und Osteuropa sowie den Balkanländern führen (http://oefz.at/dev/).

Wirtschaftsbeziehungen

Ende 2013 waren 331 französische Firmen mit insgesamt 16 117 Mitarbeitern in Österreich angesiedelt. 2014 war Frankreich Österreichs sechstwichtigster Investor. Die französischen Investitionen betreffen hauptsächlich den Bereich der Unternehmensdienstleistungen (60 %). Die Finanzdienstleistungen stellen 11 % der Investitionen dar. Zahlreiche Unternehmen haben eine regionale Tragweite und nutzen Österreich als Sprungbrett nach Mittel- und Osteuropa, oder sogar darüber hinaus. Dies trifft insbesondere auf Air Liquide, Alcatel Lucent, JC Decaux oder Vinci Energies zu.

Mit einem Marktanteil von 2,7 % ist Frankreich der 7. Lieferant Österreichs (nach Deutschland, Italien, China, Schweiz, den Vereinigten Staaten und der Tschechischen Republik). Die französischen Exporte bestehen hauptsächlich aus Vorprodukten, Investitionsgütern und Produkten der Automobilindustrie. Französische Luxusgüter und Lebensmittel werden von den österreichischen Verbrauchern hoch geschätzt.

Frankreich ist Österreichs 5. Kunde (nach Deutschland, Italien, den Vereinigten Staaten und Schweiz). Im Verlauf der letzten zehn Jahre sind die Importe stärker gewachsen als die Exporte, was dazu führte, dass der bisher regelmäßige französische Handelsbilanzüberschuss verschwunden ist: Inzwischen ist die Handelsbilanz Frankreichs im Verhältnis zu Österreich defizitär (-1,1 Mrd. Euro, davon 0,5 Mrd. Euro. durch Pharmazeutika).

Zusammenarbeit in den Bereichen Kultur, Wissenschaft und Technik

Französisch bleibt nach Englisch die am häufigsten erlernte Fremdsprache in Österreich (9,6 % der Schüler lernen Französisch). Angesichts des hohen Stellenwerts, den die österreichischen Behörden der französischen Sprache in ihrem Schulsystem beimessen, erhielt Österreich im Jahr 2006 den Beobachterstatus innerhalb der internationalen Organisation der Frankophonie.

  • Die kulturellen Beziehungen zwischen den beiden Ländern sind besonders reichhaltig. Zahlreiche französische Künstler, Musiker und Intellektuelle treten regelmäßig in Österreich auf.
  • Die kulturelle Zusammenarbeit der beiden Länder wird durch das Institut Français d‘Autriche (http://institut-francais.at/vienne/de.html) in Wien verwirklicht. Seine Projekte stützen sich auf die Prioritäten der französischen Kulturdiplomatie: Partnerschaften mit österreichischen Instituten, externe Veranstaltungen in Wien und den Ländern, Erneuerung der Lehr- und Kommunikationsinstrumente usw.
    Das 1946 gegründete Lycée français de Vienne wird von über 1900 Schülern besucht (vom Kindergarten bis zur Vorbereitungsklasse classe préparatoire), darunter 39 % Österreicher, 41 % Franzosen und 20 % Schüler aus Drittländern.
  • Es bestehen wichtige und vielseitige Zusammenarbeitsprogramme auf Schul- und Hochschulebene zwischen den beiden Ländern. Frankreich ist das fünfte Zielland österreichischer Studierender nach Deutschland, Schweiz, den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich.
  • Im wissenschaftlichen Bereich spielt sich die Zusammenarbeit direkt zwischen den Laboren und Forschungsinstituten (CNRS, INSERM und CEA) ab, sowie im Rahmen des Hubert-Curien-Partnerschaftsprogramms Amadeus. Frankreich ist Österreichs fünftwichtigster wissenschaftlicher Partner.