Gemeinsame Unterbringung deutscher und französischer Einrichtungen (20/07/2018)

Das französische Ministerium für Europa und auswärtige Angelegenheiten und das Auswärtige Amt praktizieren seit langem eine enge institutionelle Zusammenarbeit, um ihre Strukturen einander anzunähern und ihre Ressourcen im Ausland zu bündeln und so auf lokaler Ebene Synergien zu schaffen.

Das „Rahmenübereinkommen über die gemeinsame Unterbringung diplomatischer Missionen und konsularischer Vertretungen“, das auf dem Deutsch-Französischen Ministerrat am 12. Oktober 2006 unterzeichnet wurde und am 3. März 2008 in Kraft trat, ermöglichte die Einrichtung von fünfzehn „gemeinsamen Unterbringungen“ auf der Grundlage der gemeinsamen Nutzung von Räumlichkeiten, die diplomatischen, konsularischen, schulischen oder kulturellen Zwecken dienen. Auf dem 19. Deutsch-Französischen Ministerrat am 13. Juli 2017 wurde durch das Ziel, bis 2020 ein Dutzend integrierte deutsch-französische Kulturzentren zu eröffnen, in dem Bereich eine neue Dynamik geschaffen. Durch den geplanten Bau einer Gemeinschaftskanzlei in Khartum wurde außerdem ein Aktualisierungsprozess eingeleitet, der auf die Erfahrungen der ersten gemeinsamen Unterbringungen diplomatischer Missionen in Dhaka und Kuwait-Stadt aufbaut.

Gemeinsame Unterbringung diplomatischer Missionen:

Derzeit gibt es bereits acht gemeinsame Unterbringungen, wobei diese verschiedene Formen annehmen:

  • In Peking leiten Deutschland und Frankreich seit 2011 ein gemeinsames Gesundheitszentrum, das im Gebäude der Französischen Botschaft untergebracht ist.
  • In Brazzaville und Rio de Janeiro befinden sich seit 2012 bzw. Ende 2013 deutsche diplomatische und konsularische Vertretungen in den Räumlichkeiten französischer Außenstellen.
  • In Asmara (Eritrea) und Bandar Seri Begawan (Brunei) werden seit Dezember 2014 bzw. März 2015 französische Kanzleien von den Deutschen Botschaften vor Ort beherbergt.
  • Ähnlich ist es auch in Pjöngjang, wo das französische Kooperationsbüro seit September 2013 in der Deutschen Botschaft untergebracht ist.
  • In Kuwait-Stadt befinden sich die diplomatischen Missionen der beiden Länder seit Juli 2016 im selben Bürokomplex.
  • Mit dem Bau eines gemeinsamen Gebäudes für die Deutsche und Französische Botschaft in Dhaka wurde ein weiterer Schritt in diesem Bereich getan. Das Gebäude wurde 2017 fertiggestellt und an ähnlichen Plänen für die Standorte Khartum und Lagos wird derzeit gearbeitet.

Gemeinsame Unterbringung kultureller Einrichtungen:

Die Intensität der Zusammenarbeit ist unterschiedlich: von der schlichten gemeinsamen Unterbringung im selben Gebäude bis hin zu wirklichen Partnerschaften mit dem Austausch von Dienstleistungen und abgestimmten Kulturprogrammen.
So bilden die Instituts françaises bzw. Alliances françaises und Goethe-Institute in Palermo, Ramallah, Rangun, Jekaterinburg, Porto, Glasgow und Manchester gemeinsame Kulturzentren. Das deutsch-französische Kulturzentrum Ramallah (lien) hebt sich aufgrund seiner integrierten Struktur besonders ab: Deutschland und Frankreich teilen sich an diesem gemeinsamen Standort bestimmte Kosten sowie Aufgaben und bieten neben den jeweils eigenen auch gemeinsame Kulturprogramme an.
Auf dem Deutsch-Französischen Ministerrat am 13. Juli 2017 konnte der Arbeit in diesem Bereich durch das Ziel, nach dem Vorbild des Zentrums in Ramallah bis 2020 mindestens 10 weitere integrierte Institute zu schaffen, neue Impulse verliehen werden. Derzeit werden mögliche Standorte für die Unterbringung solcher Zentren geprüft. Bei den gemeinsamen Initiativen Deutschlands und Frankreichs ist neben der Tatsache, dass sich die Kulturangebote unser beiden Länder im Gastland ergänzen sollen, auch der symbolische Wert ein wichtiges Element.

Gemeinsame Unterbringung schulischer Einrichtungen:

Im Bildungsbereich wurde die deutsch-französische Zusammenarbeit durch die Schaffung verschiedener Einrichtungen konkretisiert:

  • deutsch-französischer Eurocampus in Zagreb und Dublin
  • deutsch-französische-britischen Eurocampus in Taipeh
  • zwei deutsch-französische Gymnasien in Manille und Schanghai
    Die Kooperation findet gleichzeitig auf logistischer und sprachlicher Ebene statt. Meistens werden in diesen Einrichtungen nicht nur die Räumlichkeiten und Schulausstattungen geteilt, sondern auch kollektive Kurse (in künstlerischen und sportlichen Fächern) mit einem besonderen Akzent auf Mehrsprachigkeit oder auch gemeinsame Kultur- und Sportveranstaltungen angeboten.

Fotos (von oben nach unten) : Brazzaville, Dhaka (© Stéphane Paumier), Eurocampus in Shanghai