Ernährungssicherheit, Ernährung und nachhaltige Landwirtschaft – Frankreichs Strategie (22.10.19)

Weltweit ist zurzeit jeder neunte Mensch von Ernährungsunsicherheit betroffen. Trotz bereits ergriffener Maßnahmen verschlechtert sich die Lage seit 2015. 2050 werden 10 Milliarden Menschen ausreichend ernährt werden müssen und das trotz der Folgen des Klimawandels. Damit das gelingt, müssen unsere Landwirtschafts- und Ernährungssysteme verändert und eine nachhaltige ländliche Entwicklung unterstützt werden.
Gemeinsam mit seinen Partnern trägt Frankreich entschieden zu dieser Veränderung bei. Dabei dient ihm seine Internationale Strategie für Ernährungssicherheit, Ernährung und nachhaltige Landwirtschaft (2019-2024) als Fahrplan.

Einige Definitionen

Ernährungssicherheit:

  • Frankreich macht sich die Definition von Ernährungssicherheit des Ausschusses für Welternährungssicherheit zu eigen (http://www.fao.org/cfs/cfs-home/fr/): Ernährungssicherheit besteht, wenn alle Menschen jederzeit die physische, soziale und wirtschaftliche Möglichkeit haben, über ausreichende, gesunde und nährstoffreiche Nahrung zu verfügen, um ihre Ernährungsbedürfnisse und Präferenzen für ein gesundes und aktives Leben zu erfüllen.

Mangelernährung:

  • Mangelernährung entsteht durch eine quantitativ oder qualitativ unzureichende Nährstoffzufuhr oder eine schlechte Umwandlung der Nährstoffe im Körper.

Das weltweite Umfeld

In den vergangenen Jahren hat der Hunger zugenommen; die Fortschritte im Hinblick auf Mangelernährung sind zu langsam und in allen Regionen der Welt nimmt die Fettleibigkeit zu.

Über 2 Milliarden Menschen, das sind 26,4 % der Weltbevölkerung, sind von schwerer oder moderater Ernährungsunsicherheit betroffen.
• 820 Millionen Menschen sind von schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen, d. h. sie leiden an Hunger.
o 60 % der an Hunger leidenden Menschen leben in von Konflikten betroffenen Ländern
o 60 % der an Hunger leidenden Menschen sind Frauen
• 1,3 Milliarden Menschen sind von moderater Ernährungsunsicherheit betroffen, d. h. sie verfügen nicht über einen regelmäßigen Zugang zu gesunder und nährstoffreicher Nahrung in ausreichender Menge.

Fettleibigkeit betrifft 670 Millionen Erwachsene und wird ebenfalls zu einem zentralen Problem.

Afrika ist der am meisten von Nahrungsmittel- und Ernährungsunsicherheit betroffene Kontinent: 20 % der Bevölkerung sind unterernährt; Mangelernährung ist weiterhin weit verbreitet und der Anteil an Fettleibigkeit nimmt rasch zu.

Es mangelt nicht an Nahrung, aber der Klimawandel, die Konflikte und die Armut ländlicher Haushalte erschweren den Zugang, die regelmäßige Verfügbarkeit oder die Qualität der für den Verzehr geeigneten Lebensmittel.
Dabei ist der Zugang zu Nahrung von ausreichender Qualität eine unverzichtbare Bedingung für die menschliche Entwicklung. Das zweite der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) der Vereinten Nationen betrifft den Willen zur Beseitigung des Hungers in der Welt bis 2030.

Wie lässt sich die Ernährungsunsicherheit bekämpfen?

Um die Ungleichheit zu beenden und die Weltbevölkerung ausreichend zu ernähren, ist es von entscheidender Bedeutung, die Landwirtschafts- und Ernährungssysteme zu verändern. Die Landwirtschaft muss nachhaltiger und in wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und ökologischer Hinsicht leistungsstärker werden, damit sowohl die Ernährungssicherheit und Gesundheit der Menschen als auch die Entwicklung der Länder gewährleistet werden.

Die fünf Leitlinien der Internationalen Strategie für Ernährungssicherheit, Ernährung und nachhaltige Landwirtschaft (2019-2024):

  • Die weltweite Governance von Ernährungssicherheit und Ernährung verstärken. Frankreich möchte eine treibende Kraft bei der Verbesserung der Effizienz und der Koordinierung der internationalen Akteure in diesen Bereichen sein; den Kern dieser Governance bilden die in Rom ansässigen UN-Institutionen.
  • Nachhaltige Landwirtschaft- und Ernährungssysteme entwickeln, um auf den Klimawandel und den Verlust an biologischer Vielfalt zu reagieren. Dazu gehört insbesondere die Förderung nachhaltiger landwirtschaftlicher Praktiken wie zum Beispiel der Agrarökologie.
  • Frankreichs Maßnahmen für eine gesicherte Nährstoffversorgung verstärken, um mit einem ganzheitlichen Ansatz auf die verschiedenen Faktoren einzuwirken, die zu Unterernährung von Kleinkindern und schwangeren oder stillenden Frauen führen, wie den Zugang zu Lebensmitteln guter Qualität, zu Trinkwasser und zu guten hygienischen Bedingungen.
  • Die Ausgestaltung nachhaltiger Agrar- und Lebensmittelsektoren unterstützen, um die Schaffung von menschenwürdigen Arbeitsplätzen in ländlichen Regionen zu fördern, insbesondere für junge Menschen. In den Entwicklungsländern weisen diese Sektoren nämlich ein förderungswürdiges Beschäftigungspotenzial auf. Die Einbeziehung landwirtschaftlicher Familienbetriebe ist dabei von entscheidender Bedeutung.
  • Die Maßnahmen im Hinblick auf Lebensmittelhilfe für gefährdete Bevölkerungsgruppen verstärken und ihre Widerstandsfähigkeit verbessern. In einem Kontext immer wiederkehrender Ernährungskrisen soll diesen Bevölkerungsgruppen ermöglicht werden, sich wieder selbst zu ernähren.

Was unternimmt Frankreich bereits?

Frankreich engagiert sich dafür, allen Menschen eine gesunde, nährstoffreiche und ausreichende Ernährung zu gewährleisten, und zwar durch:

  • lokale Projekte der Französischen Entwicklungsagentur, die 2018 insgesamt 935 Millionen Euro für landwirtschaftliche Entwicklung und Ernährungssicherheit bereitgestellt hat
  • seine diplomatischen Aktivitäten in den Institutionen der Vereinten Nationen, aber auch bei der Europäischen Union und im Rahmen der G7 und der G20
  • die Programme seiner Forschungseinrichtungen, insbesondere von CIRAD, IRD und INRA
  • Programme zur Lebensmittelhilfe in Höhe von 40 Millionen Euro im Jahr 2019, um betroffenen Bevölkerungsgruppen zu helfen, sich wieder selbst und mit ihren eigenen Produktionsmitteln zu ernähren und ihre Widerstandsfähigkeit angesichts eventueller künftiger Krisen zu verbessern