Frankreich und Litauen

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Politische Beziehungen

Die engen bilateralen Beziehungen zwischen Frankreich und Litauen sind von einem regelmäßigen politischen Dialog geprägt. Im September 2020 unterstützten die Außenminister beider Länder die Aktualisierung eines Maßnahmenkatalogs zur bilateralen strategischen Partnerschaft, die 2009 unterzeichnet wurde. Im Juli 2013 unterzeichneten die Verteidigungsminister ein Abkommen über die Zusammenarbeit im militärischen Bereich. Seit 2007 nimmt Frankreich im Rahmen der NATO an Luftpolizeieinsätzen der baltischen Länder teil und absolvierte zehn aufeinanderfolgende Einsätze im Rotationsverfahren von den Luftwaffenstandorten Šiauliai (Litauen) und Ämari (Estland) aus.

Die beiden Länder nehmen einen regelmäßigen Austausch von Offiziersanwärtern der Militärakademie von Wilna und der Militärschule von Saint-Cyr in Coëtquidan vor. Die Luftwaffe von Litauen verschickt Auszubildende nach Frankreich zum Center for Analysis & Simulation for the Preparation of Air Operations (CASPOA) und zum Air Defence and Control Training Centre (CICDA). Ziel ist die Ausbildung von Spezialisten der Luftstreitkräfte und militärischen Fluglotsen. Seit 2013 stellt Frankreich dem CoE für Energiesicherheit in Wilna, das von der NATO anerkannt wurde, einen leitenden Offizier zur Verfügung. Ein französischer Gefechtsverband verbundener Kräfte wurde in Rukla (Litauen) im Rahmen der Enhanced Forward Presence (EFP) der NATO zwischen Januar und August 2018 und zwischen Juli und Dezember 2020 eingesetzt.

Französische Präsenz

Besuche

Die bilateralen politischen Kontakte zwischen Frankreich und Litauen ermöglichen einen regelmäßigen Austausch zu europäischen und internationalen Fragen sowie wirtschaftlichen Herausforderungen.

Staatspräsident François Mitterrand war im Mai 1992 der erste westliche Staatschef, der nach der Wiederherstellung diplomatischer Beziehungen nach Litauen reiste. Staatspräsident Jacques Chirac stattete dem Land 2001 einen offiziellen Besuch ab. Am 9. April 2018 empfing der französische Staatspräsident Emmanuel Macron seine litauische Amtskollegin Dalia Grybauskaitė im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag der Wiederherstellung des litauischen Staates und der Eröffnung der vom Musée d‘Orsay organisierten Ausstellung über den baltischen Symbolismus. Der Staatspräsident unternahm am 27. und 28. September 2020 einen offiziellen Besuch in Litauen. Präsident Gitanas Nauseda sprach am 30. November 2021 im Élysée-Palast mit dem französischen Staatspräsidenten.

Die Ministerin für Europa und auswärtige Angelegenheiten, Catherine Colonna, reiste von 29. bis 30. März 2023 zu einem Arbeitsbesuch nach Litauen, wo sie mit der litauischen Premierministerin Ingrida Šimonytė sowie ihrem Amtskollegen Gabrielius Landsbergis sprach. Bei dieser Gelegenheit begab sie sich auch zum Luftwaffenstützpunkt Šiauliai, wo der im Rahmen der NATO-Luftpolizei eingesetzte französische Gefechtsverband stationiert war.

Wirtschaftsbeziehungen

Frankreich rangiert als 11. Lieferant und 14. Abnehmerland Litauens. Seit 2020 nimmt der Handel zwischen Frankreich und Litauen zu. Die französischen Exporte und Importe beliefen sich respektive auf 1059 Mio. € und 952 Mio. €, ein Anstieg um 27,6 % bzw. 24 % gegenüber 2021. Die lange Zeit defizitäre französische Handelsbilanz gegenüber Litauen verbesserte sich im Laufe der Jahre und verzeichnet seit 2020 einen Überschuss. 2022 belief sich dieser Überschuss auf 21 Mio. €, insbesondere aufgrund des deutlichen Anstiegs der französischen Exporte und ihres Werts (Automobilbau, pharmazeutische Erzeugnisse, Weine und Spirituosen, Erzeugnisse der Luft- und Raumfahrtindustrie). Die wichtigsten französischen Importgüter waren im Jahr 2022 Düngemittel (216,3 Mio. €), Möbel (175,4 Mio. €) und Holz (83,5 Mio. €). An erster Stelle der Importe stehen Erzeugnisse der chemischen Industrie (22,7 %).

Rund vierzig französische Kapitalgesellschaften sind in Litauen tätig und beschäftigen rund 2.700 Mitarbeiter. Zu ihnen zählen Veolia, JC Decaux, Roquette Frères, Consolis, Atos, Coface, Ipsen, Servier, Total, Schneider und Accor.

Zusammenarbeit in den Bereichen Kultur, Wissenschaft und Technik

Litauen ist seit 1999 Mitglied mit Beobachterstatus bei der Internationalen Organisation der Frankophonie (OIF). 2012 unterzeichnete es mit der OIF eine Partnerschaftsvereinbarung über den Französischunterricht in der Diplomatenausbildung und im öffentlichen Dienst Litauens. Französisch ist die am vierthäufigsten unterrichtete Fremdsprache in Litauen, und das internationale Lycée français von Wilna verzeichnet einen wachsenden Zulauf.

Derzeit entstehen Universitätspartnerschaften in Rechts- und Politikwissenschaften mit der Universität Mykolas Romeris und der Universität von Wilna, die mit den Universitäten von Bordeaux IV und Savoyen gemeinsame Diplome einführten. Die Schließung des französisch-belarussischen Zentrums für Politikwissenschaften und europäische Studien (Centre franco-biélorusse de Sciences politiques et d’Etudes européennes, CFB) von Minsk (Belarus) im Juni 2021 durch die belarussischen Behörden führte zu einer Umsiedlung dieses Zentrums nach Wilna, bei der in einem Abkommen mit der Universität von Bordeaux ein europäisches Bachelor-Diplom in internationalem Recht eingeführt wurde.

Die wissenschaftliche Zusammenarbeit beruht insbesondere auf dem integrierten Aktionsprogramm der französisch-litauischen Hubert-Curien-Partnerschaft (PCH) „Gilibert“ in litauischen Spitzensparten wie Physik, Chemie und Biochemie.
Zur dichten kulturellen Zusammenarbeit zählen das Filmfestival „Écrans d‘hiver“, eine Partnerschaft mit dem Bürgermeisteramt und der Universität von Klaipėda in den Bereichen zeitgenössischer Tanz, Film und Gedenkveranstaltungen, das Programm öffentlicher Diskussionsrunden „Nouveaux regards sur le monde actuel“ usw.). Im Herbst 2024 startet in Frankreich eine Kultursaison zu Litauen.
2022 war Kaunas, die zweitgrößte Stadt Litauens, eine der drei europäischen Kulturhauptstädte. In diesem Zusammenhang wurde das Programm von Kaunas 2022 um französische Beiträge bereichert.

Stand: Mai 2023