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Archäologieberichte

Wissenschaftliche Thematik

Das Tal der Struma (Strymon in Griechenland), in dem die Stätte Kovacevo liegt, gilt zusammen mit dem Vardar-Tal (Axios in Griechenland) als eine der wesentlichen Verkehrsachsen zwischen dem ägäischen Becken und dem Inneren des Balkans. Es spielte in der Frühgeschichte und in der Geschichte stets eine wesentliche Rolle, sowohl für das Auftreten neuer Phänomene als auch für die Handels- und Verkehrsnetze.

Das Fehlen von Fundstätten aus dem frühen Neolithikum an der gesamten Nordküste der Ägäis sowie im mittleren Tal der Struma lässt sich allem Anschein nach durch tiefgreifende Veränderungen der Landschaft durch Erosions- und Akkumulationsprozesse erklären. Somit befinden sich die wenigen bekannten Stätten - wie die von Kovacevo - in Höhen von 450 bis 800 Metern über dem Meeresspiegel und relativ weit von den großen Wasserläufen entfernt. Als mit den Ausgrabungen in Kovacevo begonnen wurde, waren nur sehr wenige archäologische Fundstätten am mittleren Lauf der Struma bekannt, wogegen die Siedlungen an ihrem nördlichen Verlauf dichter zu sein schienen. Aus geopolitischen Gründen jedoch waren die archäologischen Forschungen in diesem Teil des Tales vernachlässigt worden. Seitdem wurden mehrere systematische Feldbegehungen durchgeführt und mittlerweile liegt eine sehr dichte archäologische Karte für alle Zeiträume vor.

Da in dieser Region keine Tells vorhanden sind, wurde den archäologischen Forschungen in Ost- und Nordbulgarien der Vorzug gegeben, da dort viele derartige Stätten existieren und vor allem Studien der chronologischen Fragen ermöglichen. Weitläufigen neolithischen Stätten wie Kovacevo wurde sehr wenig Aufmerksamkeit geschenkt und wenn überhaupt, dann wurden nur sehr kleinflächige Ausgrabungen vorgenommen.

Das Ziel der Mission Kovacevo ist es, erschöpfende Grabungen mit präzisen Grabungs- und Aufzeichnungsmethoden zu kombinieren. Seit Beginn der Ausgrabungen wurden Computeraufzeichnungen der Felddaten und der Funde vorgenommen, um komplexe qualitative und quantitative Studien zu ermöglichen. Die Zusammenarbeit mit Spezialisten der Sedimentologie hat sich sowohl hinsichtlich der Methoden als auch für die Interpretation der Funde als besonders interessant erwiesen. Eine weitere Stärke der Ausgrabungen in Kovacevo ist das systematische Sieben aller Sedimente, denn auf diese Weise können sich die technologischen Studien der Funde auch auf Abschlagsreste und unfertige kleine Artefakte stützen. Die Qualität und die Menge des Fundmaterials, das insgesamt aus über 23 Tonnen Keramik besteht, ermöglichen statistische Studien im Zusammenhang mit den archäologischen Hintergründen, die zugleich die stratigraphischen und die räumlichen Daten verwerten.

Ein weiterer, bedeutender Aspekt dieser Ausgrabung ist die Ausbildung von Nachwuchsforschern, die als Praktikanten an der Ausgrabung und an der Studie des Fundmaterials teilnehmen.

 

Online geschaltet am 23.02.09

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