Die Forschungsarbeiten, die seit 1983 in der Stätte Loma Alta im mexikanischen Bundesstaat Michoacán stattfinden, haben neue Informationen über zwei grundlegende Aspekte der mittelamerikanischen Archäologie gebracht: die Entstehung der Purhépecha(oder Tarasken)-Kultur und die Beziehungen zwischen dem Nordwesten Mexikos und dem Südwesten der Vereinigten Staaten, insbesondere mit der Hohokam-Kultur.

Die archäologische Stätte

Die Stätte von Loma Alta, die zufällig bei Erkundungsarbeiten im Rahmen des Projekts Michoacan I entdeckt wurde, ist nicht nur für die lokale (taraskische) Archäologie zu einem Bezugspunkt geworden, sondern auch für jene des Westens und des nördlichen Mexikos. Vor der Trockenlegung der Lagune von Zacapu zu Beginn unseres Jahrhunderts war die Stätte genau genommen eine von mehreren Inseln mit geringem Relief, die sich unweit des Westufers des Meeresbeckens befanden. Loma Alta liegt in der Mitte dieser Inselgruppe und ist darüber hinaus, wie es sein Name verrät, mit seiner Höhe von 10 m ihr höchster Punkt. Dieser zentralen Lage und ihrem Inselcharakter hat Loma Alta seit Beginn ihrer Nutzung (rund 150 v. Chr.) zu verdanken, dass sie der bevorzugte Ort dieses Gebiets war. Obwohl sie heute die Gestalt eines Hügelgrabs aus Erde mit einer Fläche von 12 ha und ohne oberflächlich sichtbare Überreste hat, belegen die diversen Sondierungen, die dort durchgeführt wurden, das sie zur Gänze künstlich angelegt wurde: so wurden beispielsweise 4 m hohe anthropisch beeinflusste Erdaufschüttungen und vergrabene Bauwerke gefunden. Durch eine geophysikalische Prospektion, die 1995, nach 12-jähriger Forschungsarbeit, von Luis Baraba und seinem Team (Labor für archäologische Prospektion der nationalen autonomen Universität Mexiko (UNAM) in Zusammenarbeit mit Albert Hesse vom Zentrum für geophysikalische Forschung des nationalen Zentrums für wissenschaftliche Forschung CNRS (USR 701) durchgeführt wurde, erkannte man die Monumentalität und die Anordnung eines gesamten architektonischen Systems, das bislang vergraben war und dessen Existenz sich nicht erahnen ließ. Diese wichtige Entdeckung führte zur Ausarbeitung eines neuen Forschungsprogramms, das sich ausschließlich mit der Architektur dieser Stätte befassen sollte (Projekt Loma Alta).
Projekt Loma Alta (1996-1998)
Dieses Forschungsprogramm mit dem Titel „Die Architektur von Loma Alta“ führt das Projekt Michoacan fort (D. Michelet, Koordinator).
Im Rahmen des Projekts Michoacan (Etappen I-III, 1983-1995) nahm man mittels einer regionalen Untersuchung die prähispanische Besiedlung des nördlichen Zentrums dieses westmexikanischen Staates - der in Bezug auf archäologische Forschung sträflich vernachlässigt wurde - unter die Lupe. Des Weiteren wurde das Gebiet um den Zacapu-See, der zu Beginn unseres Jahrhunderts trockengelegt wurde, nachgebildet.
Diese Forschungen werden mit der Unterstützung des Außenministeriums (Beratungskommission für archäologische Forschungen im Ausland) und des nationalen Zentrums für wissenschaftliche Forschung CNRS (UPR 312) im Rahmen der im Bereich der archäologischen Forschung zwischen dem mexikanischen Institut für Anthropologie und Geschichte (INAH) und dem Zentrum für mexikanische und mittelamerikanische Studien (CEMCA) getroffenen Kooperationsvereinbarung durchgeführt.