Bilaterale Beziehungen mit Österreich

Politische Beziehungen

Frankreich und Österreich pflegen freundschaftliche politische Beziehungen

Illust: Jean-Marc Ayrault, 20.9 kB, 400x268
Jean-Marc Ayrault und Heinz Fischer

Frankreich und Österreich stimmen bei zahlreichen europäischen Themen überein (Suche nach einem Gleichgewicht zwischen Haushaltsdisziplin und Förderung des Wirtschaftswachstums, verstärkte Zusammenarbeit bei der Besteuerung der Finanztransaktionen, die Österreich seit langem unterstützt, Verbundenheit mit der GAP,…).

Die Kontakte auf Ministerebene sind häufig. Der ehemalige österreichische Bundespräsident Heinz Fischer reiste am 5. und 6. November 2013 nach Frankreich, wo er den Staatspräsidenten, den Premierminister und den Außenminister traf.
Der ehemalige Bundeskanzler Werner Faymann wurde im Oktober 2012 durch den französischen Präsidenten und im Juni und August 2014 durch den Premierminister empfangen. Premierminister Jean-Marc Ayrault besuchte Wien im Januar 2014, sein Nachfolger Manuel Valls folgte im November des gleichen Jahres sowie im September 2015.
Der Bundesminister für Europa, Integration und Äußeres, Sebastian Kurz, beteiligte sich an dem Solidaritätsmarsch („marche républicaine“) am 11. Januar 2015, während die Bundesministerin für Inneres, Frau Mikl-Leitner, an dem von Innenminister Bernard Cazeneuve organisierten G10-Treffen teilnahm. Im Mai 2016 traf sich Sebastian Kurz mit Jean-Marc Ayrault in Wien.

Das Österreichisch-Französische Zentrum (ÖFZ) ist ein Instrument des bilateralen Dialogs

Das Österreichisch-Französische Zentrum für Annäherung in Europa wurde auf Initiative von Bruno Kreisky und Jacques Chirac gegründet, um ab dem Jahr 1978 die Kontakte zwischen Westeuropa und dem Ostblock zu fördern. Es ist in Wien angesiedelt und wird von beiden Regierungen paritätisch finanziert.

Wirtschaftsbeziehungen

Ende 2013 waren 7 118 französische Firmen in Österreich angesiedelt, darunter insbesondere 534 große Unternehmen. Die französischen Investitionen betreffen hauptsächlich den Bereich der Unternehmensdienstleistungen (60 %). Die Finanzdienstleistungen stellen 11 % der Investitionen dar. Zahlreiche Unternehmen haben eine regionale Tragweite und nutzen Österreich als Sprungbrett nach Mittel- und Osteuropa, oder sogar darüber hinaus. Dies betrifft unter anderem Air Liquide, Alcatel Lucent, JC Decaux oder Vinci Energies.

Frankreich ist der 8. Lieferant Österreichs, mit einem Marktanteil von 2,9 %. Die französischen Exporte bestehen hauptsächlich aus Vorprodukten, Investitionsgütern und Produkten der Automobilindustrie. Die Luxusprodukte und Nahrungsmittel werden von den österreichischen Verbrauchern hoch geschätzt.

Frankreich ist Österreichs 5. Kunde. Im Verlauf der letzten zehn Jahre sind die Importe mehr gewachsen als die Exporte, was dazu führte, dass der bisher regelmäßige französische Handelsbilanzüberschuss verschwunden ist: Inzwischen ist die Handelsbilanz Frankreichs im Verhältnis zu Österreich defizitär.

Kulturelle, wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit

Französisch bleibt die am häufigsten erlernte Fremdsprache in Österreich nach Englisch (10,5 % der Schüler lernen es). Angesichts des hohen Stellenwerts, den die österreichischen Behörden der französischen Sprache in ihrem Schulsystem beimessen, erhielt Österreich im Jahr 2006 den Beobachterstatus innerhalb der internationalen Organisation der Frankophonie.

Es bestehen wichtige und vielseitige Zusammenarbeitsprogramme auf Schul- und Hochschulebene. Frankreich ist das zweite Zielland österreichischer Studierender nach Spanien und vor den Vereinigten Staaten.

Das Kulturnetzwerk zählt ein Institut français in Wien und dessen Antenne in Innsbruck . Das französische Gymnasium Lycée français de Vienne, 1946 gegründet, zählt über 1 900 Schüler, darunter 52 % Österreicher und 8 % Doppelstaater.

Die kulturellen Beziehungen zwischen den beiden Ländern sind besonders reichhaltig. Zahlreiche französische Künstler, Musiker und Intellektuelle treten regelmäßig in Österreich auf.

Im wissenschaftlichen Bereich spielt sich die Zusammenarbeit direkt zwischen den Laboren und Forschungsinstituten (CNRS, INRIA, CEMAGREF) ab, sowie im Rahmen des Hubert-Curien-Partnerschaftsprogramms Amadeus. Desweiteren ist zu betonen, dass die Wissenschaftler beider Länder oft im Rahmen europäischer Programme zusammenarbeiten (nach Deutschland ist Frankreich mit dem Vereinigten Königreich der Hauptpartner Österreichs in den Programmen des 6. EU-Forschungsrahmenprogramms RP6). Außerdem dürfte die Weiterentwicklung der österreichischen Kompetenzzentren durch das neue Regierungsprogramm COMET dem Dialog zwischen den noch jungen französischen pôles de compétitivité und ihren bereits länger existierenden österreichischen Counterparts (Cluster/Kompetenzzentren) nutzen, insbesondere in den Bereichen Automobil, Kunststoffindustrie und Biotechnologien.